Ich bin wieder schwanger, gesteht mir eine Bekannte. Ihr Sohn ist gerade einmal 8 Monate alt und sie hat keine Ahnung, seit wann sie wieder schwanger ist.

Niemand, sagt sie, hat gedacht, sie müsse nach der Geburt verhüten. Bis zu ihrem Sohn war ein langer harter Weg, eine schwere Krankheit beeinträchtigte ihre Fruchtbarkeit und außerdem stille sie ja noch.

Sie ist wieder schwanger. Trotz des Stillens. Trotz der angenommenen Unfruchtbarkeit. Im Glauben, dass kein Kind entstehen kann.

Und nun. Will sie sich alle Optionen offenhalten, wie sie es ausdrückt.


Pille, Kondom & Co: Laut der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung fühlen sich Erwachsene zum Thema Verhütung sehr gut (66%) bis gut (32%) informiert. Und tatsächlich ist das Thema Verhütung in unserer Gesellschaft etabliert, wird im Schulunterricht früh und gut unterrichtet und durch Werbung, Informationsbereitstellung und Beratung gefördert.

Verhütung und Sex, das gehört für die Allermeisten zusammen. Dabei lässt die hohe Sicherheit von Verhütungsmitteln schnell vergessen, dass Sex und Zeugung im unmittelbaren Zusammenhang stehen.

Mit der Einnahme einer Pille, dem Überstreifen eines Gummis, dem Gang zum Frauenarzt, glauben wir, wir seien auf der sicheren Seite. Verhütung: Check. Verantwortung: Abgegeben. An einen Arzt, eine Pille, einen Hauch von Gummi.

Tatsächlich handelt man damit klug und richtig, sich Gedanken um Verhütung zu machen. Doch selbst bei konsequent richtiger Handhabung, kommt es selten zu ungewollten Schwangerschaften. Wie selten, das zeigt der sogenannte Pearl Index (PI).

Der Pearl Index gibt an, wie viele Frauen trotz der Verwendung eines bestimmten Verhütungsmittels, ungewollt schwanger geworden sind. Dabei wird von 100 Frauenjahren ausgegangen. Genauer: Wenn 100 Frauen 1 Jahr lang mit der jeweiligen Methode verhüten, dann werden x Frauen dennoch ungewollt schwanger.

Das Diaphragma, das für eine Blockade der Spermien am Gebärmutterhals sorgt, hat zum Beispiel einen Pearl Index von 1. Das heißt von 100 Frauen, die ein Jahr lang mit dem Diaphragma verhütet haben, ist innerhalb eines Jahres eine Frau schwanger geworden. Ein vergleichsweise hoher Wert.

Die meisten klassischen Verhütungsmittel haben einen sehr niedrigen Pearl Index. Die Pille, nicht allein deshalb ist sie für viele junge Frauen attraktiv, kommt auf 0,1. Sie ist damit so sicher wie die Sterilisation des Mannes!

Das Kondom hat im besten Fall, also bei stets korrekter Anwendung, ein PI von 0,6. Bei normaler Anwendung hat es einen PI von 2. Das Kondom ist damit weitaus weniger sicher als die Pille. Und tatsächlich auch weniger sicher, als die symptothermale Methode, eine Form der Natürlichen Verhütung. Diese erzielt, ebenfalls bei richtiger Anwendung, ein PI von 0,4! Das heißt, wenn sie ein Jahr lang richtig angewendet wird, ist es unwahrscheinlicher damit schwanger zu werden, als wenn stets ein Kondom verwendet wird.

Das bei durchgängiger Benutzung des Kondoms scheinbar öfter "Pannen" vorkommen, als in der Kombination mit der symptothermalen Methode, liegt vermutlich vor allem an der Nachlässigkeit an Tagen, von denen man annimmt, sie seien "ungefährlich" und Mythen wie "Während der Menstruation kann ich nicht schwanger werden". Kennt man seinen Körper hingegen genau, achtet man an potentiell fruchtbaren Tagen penibler auf die Sicherheit.

Noch ein Mythos: Solange ich stille, kann ich nicht schwanger werden. Zwar gibt es die sogenannte Laktationsamenorrhoe-Methode (LAM), doch diese unterliegt sehr strengen Regeln und hat einen vergleichsweise hohen PI von 2. Auch, weil sie maximal 6 Monate anwendbar ist.

Neben den klassischen Verhütungsmitteln wie Pille und Kondom und den oft missverstandenen Verhütungsmitteln wie das volle Stillen nach Regeln (LAM) und die symptothermale Methode, gibt es noch zahlreiche Alternativen: Kupferkette, Spirale, Hormonimplantat, 3-Monats-Spritze, Hormonpflaster und und und.


Die meisten dieser Verhütungsmittel haben eines gemeinsam: Sie wirken hormonell. Und damit eingreifend in die Funktionalität des Körpers.

Und obwohl wir uns mit unserer Verhütung oft sicher und bestens informiert fühlen, wissen laut einer Umfrage des Instituts MKM unter 500 hormonell verhütenden Frauen zwischen 15 und 45 Jahren fast ein Drittel (32 Prozent) der Befragten nicht, wie ihre Verhütungsmethode wirkt.

Nicht verwunderlich, wenn man die Abläufe im eigenen Körper nicht kennt.

Die klassische Pille enthält synthetisch hergestellte Hormone, die dem Körper signalisieren, dass eine Schwangerschaft vorliegt. Die Heranreifung des Follikels, und somit auch der Eisprung, wird unterdrückt. Endet die Einnahme der Pille, beginnt die Abbruchblutung. Die Stärke und Dauer der Blutung geht oft deshalb zurück, weil sich die Schleimhaut zu keinem Zeitpunkt aufbauen kann und dementsprechend weniger "Material" abgeblutet werden muss.

Die Minipille hingegen unterdrückt den Eisprung in der Regel nicht, verhindert aber, dass sich die Gebärmutterschleimhaut aufbaut. Eine befruchtete Eizelle kann sich somit nicht einnisten. Ihr Hauptwirkungsgrad ist jedoch die Verdichtung des Zervixschleims, der ein Überleben und Durchdringen der Spermien verhindern soll.

Volles Stillen (LAM) ist eine natürliche Form der Verhütung. Aber auch hier unterliegt diese Methode strengen Regeln. Der Abstand zwischen den Stillmahlzeiten darf beispielsweise nie länger als 6 Stunden betragen, es darf nicht abgepumpt werden, das Kind darf nicht älter als 6 Monate sein und noch keine zusätzliche Flüssigkeit (Wasser, Tee) erhalten. Trifft auch nur eine Regel nicht zu, muss sofort von einer erneuten Fruchtbarkeit ausgegangen werden.

Am stärksten setzt die symptothermale Methode die Kenntnis des eigenen Körpers und des eigenen Zyklus voraus. Sie basiert auf der Beobachtung von mindestens zwei Körpermerkmalen, die miteinander kombiniert die fruchtbaren Tage der Frau bestimmen können. Klassisch ist das die Kombination der Basaltemperatur und des Zervixschleims. Das Paar muss sich also bewusst damit auseinander setzten, wann die "Gefahr" besteht, Leben zu zeugen und wann man "safe" ist.

Das Kondom als Barrieremethode fängt die Samen des Mannes auf und verhindert so, dass sie in den Körper der Frau gelangen und die Befruchtung der Eizelle stattfinden kann. Es schützt zusätzlich vor Geschlechtskrankheiten und ist eines der wenigen Methoden für den Mann. Ein Nachteil ist, dass oft die falsche Größe gewählt wird, ein Anwendungsfehler wird dadurch wahrscheinlicher.
Die Handhabung wird konsequenter, wenn man weiß, dass der Schutz gerade essentiell ist, also gerade eine hohe Fruchtbarkeit vorliegt. An vielen Tagen im Zyklus ist die Verwendung eines Kondoms zur Schwangerschaftsverhütung aber gar nicht nötig - wenn man weiß, wann man darauf verzichten kann. Und das geht nur, wenn man seinen Körper konsequent und über längere Zeit beobachtet und kennenlernt. Und auch dann ist unser Körper keine Maschine und unterliegt Schwankungen.

Fakt ist: Verhütung ist niemals sicher.

Weder Kondom, noch Pille, noch Stillen, noch die symptothermale Methode, noch Sterilisation, noch jahrelange, krankheitsbedingte Unfruchtbarkeit schützen zu 100 % vor einer Schwangerschaft, wie im Fall meiner Bekannten deutlich wird.

Egal, was uns bei der Verhütung besonders wichtig ist: Einfachheit, Flexibilität, Natürlichkeit, Sicherheit - zu 100 % sicher ist nur ein Verhütungsmittel:

Enthaltsamkeit.

Eine Pille einnehmen, ein Gummi überstreifen, etwas einsetzen lassen und denken: "So, ich hab’ mich ja gekümmert", schützt einen nicht vor der Verantwortung, die wir tragen, wenn wir Sex haben. Denn jedes Verhütungsmittel kann auch versagen.


Fünf Fragen sind essentiell, um zu verstehen, was Sex so besonders macht. Fünf Fragen, die beachtenswert sind, ehe wir die Entscheidung treffen, wie wir unser Sexleben gestalten wollen.

  1. Was ist Sex?
  2. Wie funktioniert mein Körper?
  3. Wie funktioniert Verhütung (nicht)?
  4. Mit wem habe ich Sex?
  5. Wann habe ich Sex?

Fünf von mindestens sechs Schritten, die wir gehen, ehe wir vor der Frage stehen: Treibe ich ab?