Mit der Pubertät nehmen die Geschlechtshormone im Körper eines Jungen und eines Mädchens ihre Arbeit auf. Erst jetzt beginnen wir uns bewusst mit Sexualität auseinander zu setzen.

Bewusst wird uns dabei vor allem, dass wir auf Reize reagieren. Dass wir erregbar sind, dass wir uns die Nähe und Aufmerksamkeit des anderen Geschlechts wünschen. Wir haben unseren ersten Kuss, halten Händchen und umarmen uns. Und merken, dass wir uns dabei wohl fühlen. Dass es kribbelt, dass es schön ist.

Unser Körper hat verschiedene Hormone und Vorgänge, die es uns leichtmachen, uns körperlich auf unser Gegenüber einzulassen. Die uns überhaupt erst ermöglichen, uns einlassen zu können. Und es uns schwermachen, wenn ein Vorgang einmal nicht richtig funktioniert.

Alle diese schönen Gefühle, emotionalen und körperlichen, sichtbaren und unsichtbaren Regungen unseres Körpers haben die wundervolle, einzigartige Zusatzfunktion, dass sie Fortpflanzung für uns sowohl einfach, als auch angenehm macht, sie sanft und freundlich unterstützt.

Doch wie funktioniert das eigentlich alles?


Was beim Mann und bei der Frau gleich ist: Irgendwas kommt unten raus. Beim Mann beim Höhepunkt, bei der Frau nach einer bestimmten oder unbestimmten Anzahl an Tagen.

Während der gesunde Mann fest damit rechnen kann, dass er mit jedem Samenerguss zeugungsfähig ist, verläuft die Fruchtbarkeit der Frau ein wenig komplexer. Der Mann setzt mit jedem Höhepunkt leben frei. Immer, jeder Sex, kann zu einem Kind führen.

Frauen hingegen sind nur an etwa 5 Tagen im Zyklus empfänglich für dieses Leben. Während der Mann also theoretisch immer zeugungsfähig ist, weiß die Frau oft gar nicht, wann sie schwanger werden kann und wann nicht.

Wir haben nie gelernt, wie wir unseren Zyklus beobachten, wahrnehmen, wertschätzen können. Irgendwann setzte die Periode zum ersten Mal ein und fast gleichzeitig wurden wir einer Gynäkologin vorgestellt, die einem vorsorglich die Pille verschrieb. Gegen alles. Pickel. Menstruationsbeschwerden. Fettige Haare. Ungewollte Schwangerschaften. Doch neben diesen "gewünschten" Effekten, unterdrückt die Pille einen sehr wertvollen Schatz unserer Weiblichkeit: Den gesamten Zyklus.

Die Auseinandersetzung mit dem eigenen Körper ist da nicht nötig - oder einfach nicht möglich. Weil niemand einen dazu ermutigt. Weil niemand darüber spricht. Weil der Zyklus nicht stattfinden kann.

Mindestens 5 Hormone sind am natürlichen, weiblichen Zyklus beteiligt. Die Pille enthält lediglich zwei, künstlich nachgeahmte, davon. 5 Hormone sorgen dafür, dass wir jeden Zyklus neu eine kleine, aber potentiell lebensverändernde Entwicklung durchmachen.

Im ständigen Zusammenspiel zwischen Hypothalamus und Eierstöcken werden die Hormone so fein aufeinander abgestimmt, dass in jedem Zyklus vier essentielle Schritte stattfinden können.

Zunächst setzt die Regelblutung ein. Ein neuer Zyklus beginnt immer mit dem ersten Tag der Periode. Das ist für jede Frau leicht erkenntlich, da es sichtbar ist. Je nach Frau, da sind wir ganz unterschiedlich, können die Blutungen leicht oder stark sein, schmerzfrei oder von Krämpfen begleitet, vier, fünf oder gar sieben Tage anhalten.

Danach kommt die Phase der Vorbereitung. Die Schleimhaut in der Gebärmutter beginnt sich erneut aufzubauen, aber vor allem stimulieren zwei Hormone (FSH und LH) die Eierstöcke ein befruchtungsfähiges Ei heranreifen zu lassen. Während das FSH (Follitropin, Follikel stimulierendes Hormon) das Ei im Follikel heranreifen lässt, löst das LH (Luteotropin, Luteinisierendes Hormon) den Eisprung aus.

Die Vorbereitungsphase, in der das Ei im Follikel heranreift, auch erste Zyklushälfte genannt, ist in der Dauer sehr unterschiedlich. Von Frau zu Frau, aber auch von Zyklus zu Zyklus. Da der Zeitpunkt des Eisprungs nie verlässlich vorhersagbar ist, muss in dieser Phase immer von einer Fruchtbarkeit ausgegangen werden. Das heißt, wenn wir jetzt Sex haben, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, schwanger zu werden.

Unser Hormonhaushalt unterstütz in dieser Phase unser Selbstbild und Wohlbefinden. Oft sind wir voller Energie, die Haut strahlt, die Haare auch. Wir schwitzen weniger, riechen besser, die Libido steigt. Die Körpertemperatur sinkt, der Zerfixschleim nimmt zu. Wir sind oft kreativer, wagemutiger, lebenslustiger und wirken auch auf andere erfolgreicher, sympathischer, lebensdurstig. Denn in unserem Körper bereitet sich alles auf Leben vor.

Die dritte, sehr kurze Phase, ist der Höhepunkt jeden Zyklus: Der Eisprung. Nach einiger Zeit springt, ausgelöst durch einen LH-Anstieg, das herangereifte Ei aus den Eierstöcken und wandert den Eileiter entlang. In dieser Zeit, nur etwa 24 Stunden lang, kann das Ei von einer Samenzelle befruchtet werden.

Nur 24 Stunden? Wieso sind es dann 5-7 Tage, an denen wir schwanger werden können? Weil der Zerfixschleim dafür sorgt, dass die Spermien des Mannes bis zu 5 Tage im weiblichen Körper überleben können. Sie lauern in der Gebärmutter oder Eileiter auf das Ei, auch wenn es noch Tage dauert, bis es springt.

Ist das Ei erstmal unterwegs, ist die letzte Phase des Zyklus eingeleitet. Sie wird begleitet durch eine minimal ansteigende Temperatur, sinkender Libido und oft auch durch das sogenannte Prämenstruelle Symdrom (PMS). Das sich oft durch Müdigkeit, Kopfschmerzen, Krämpfen und Reizbarkeit äußert.

Diese Phase, die direkt nach dem Eisprung beginnt, wird auch zweite Zyklushälfte oder Gelbkörperphase genannt. Es wird ein Gelbkörper gebildet, der dafür sorgt, dass sich die Schleimhaut weiter aufbaut, eine befruchtete Eizelle sich einnisten kann und erhalten bleibt. Sie dauert, sofern keine Krankheit vorliegt, bei jeder Frau zwischen 12 und 16 Tagen.

Liegt eine Gelbkörperschwäche vor, dauert diese Phase auch kürzer, oft 10 Tage. Das führt bei einem Kinderwunsch zu Problemen, da die Schleimhaut nicht genug Zeit hat, sich soweit aufzubauen, dass ein Kind sich ordentlich einnisten kann.

Fand keine Befruchtung statt, stirbt der Gelbkörper nach diesen 12 bis 16 Tagen ab und die Schleimhaut wird von der Gebärmutter abgestoßen. Die Regelblutung setzt ein und ein neuer Zyklus beginnt.


Der Körper ist lebensbejahend. Jeden Zyklus stellt er sich neu darauf ein, ein Leben in sich zu tragen. Jeder Orgasmus des Mannes ist eine Chance, Leben zu stiften. Die Lust der Frau ist um den Eisprung herum am Größten. Auf Männer wirkt die Frau zu diesem Zeitpunkt am attraktivsten.

Und genau das ist das Tückische, wenn man sich noch nie mit dem eigenen Körper auseinandergesetzt hat. Man gibt sich diesen wertvollen Signalen hin, lässt sich berauschen und ist - ungewollt schwanger.

Weil wir immer dann "nicht nachdenken". Immer dann "ging es alles so schnell". Immer dann "wollte ich die Stimmung nicht versauen", wenn die Lust am größten, die Fruchtbarkeit am höchsten ist.

Darum, setze dich mit deinem Körper auseinander. Lerne ihn kennen. Wisse, wann du schwanger werden kannst. Und bedenke: Jeder Zyklus ist anders. Es kann immer eine Überraschung passieren. Wer Sex hat, kann auch schwanger werden.


Fünf Fragen sind essentiell, um zu verstehen, was Sex so besonders macht. Fünf Fragen, die beachtenswert sind, ehe wir die Entscheidung treffen, wie wir unser Sexleben gestalten wollen.

  1. Was ist Sex?
  2. Wie funktioniert mein Körper?
  3. Wie funktioniert Verhütung (nicht)?
  4. Mit wem habe ich Sex?
  5. Wann habe ich Sex?

Fünf von mindestens sechs Schritten, die wir gehen, ehe wir vor der Frage stehen: Treibe ich ab?

Es ist unsere Verantwortung.

Lerne deinen Körper kennen. Er ist es wert. Du bist es wert.