Mr. Right oder Miss Perfect scheint gefunden zu sein! Der Mensch an unserer Seite begeistert uns und jede Facette, die wir neu an ihm kennenlernen, macht uns Neugierig auf Mehr. Am Liebsten würden wir sofort mit den Hochzeitsplänen beginnen... Aber wann ist der richtige Zeitpunkt, um zu heiraten Nach 5 Wochen, 5 Monaten, 5 Jahren, Jahrzehnten?

Es gibt Paare, die verloben sich bereits nach wenigen Wochen. Manche warten Jahre. Und beide Paare würden behaupten: Es war der perfekte Zeitpunkt, wir würden es nie anders machen. Und beide haben Recht. Denn ich denke, der richtige Zeitpunkt hängt weniger von der bereits zusammen verlebten Zeit, als von der Intensität der gelebten Zeit, sowie maßgeblich vom Reifegrad der Beziehung und der einzelnen Partner ab.

Entscheidend ist nicht, ob man bereits eine Wohnung miteinander teilt, auf diversen Familienfesten dabei gewesen ist, eine große Reise zusammen unternommen hat oder ein Haustier gemeinsam gepflegt hat. Es ist weniger wichtig, ob man die selbe Lieblingspizza hat und die gleiche Lieblingsband. Ob Golfen oder Angeln Spaß macht oder eher Surfen und Canyoning.

Als wir unseren Partner kennengelernt haben, haben wir bereits wichtige Dinge geprüft: Ist er mutig? Und haben wir eine Vorstellung von Mut? Ist er höflich, zuverlässig, einfühlsam, konsequent... es gibt tausende Eigenschaften, die wir persönlich als wichtig empfinden können.

Haben sich die Punkte in unseren Beziehungen bestätigt? Oder mussten wir feststellen, dass wir unseren Gegenüber falsch eingeschätzt haben? Ist das störend in unserer Beziehung oder bereichernd? Können wir darüber reden, oder steht es wie ein herrenloser Gegenstand zwischen uns?

Und immer wieder denken wir: Nein, es ist alles perfekt! Dann sollten wir uns Zeit nehmen in Ruhe, ausführlich und in aller Offenheit über einige, wenige Themen zu sprechen, ehe wir uns guten Gewissens frei und fröhlich für unseren Partner entscheiden können. Für immer.


Familienplanung

Mit unserem Partner beginnt unsere eigene Familie. Mit ihm wollen wir diese gestalten. Es ist also unabdinglich, dass wir uns in diesem Bereich einig sind. Soweit, so logisch. Und doch ist es keine Ausnahme, dass (gläubige!) Paare nach wenigen Jahren Ehe an Scheidung denken, weil sie in diesem Punkt einfach keine Gemeinsamkeiten finden können. Entweder wünscht er sich Kinder, sie aber nicht. Oder die Vorstellung vom Zeitpunkt, der Anzahl der Kinder, der Erziehung, der Rollenverteilung ist so unterschiedlich, dass man in diesem Punkt einfach nicht weiter kommt.

Wer heiratet, der sollte unbedingt ausführlich über die eigenen Wünsche für die zukünftige Familiengestaltung sprechen. Nicht nur darüber, ob man überhaupt Kinder möchte, sondern auch wie viele, wann und wer sich darum kümmern sollte.

Wichtig ist auch: Wie verbindlich sind unsere Vorstellungen? Ist Raum für Änderung? Wenn das Paar sich vor der Hochzeit einig ist, dass nach 3 Jahren Ehe 2 Kinder im Abstand von bis zu 24 Monaten kommen sollen, die Frau aber in der ersten Schwangerschaft merkt, dass sie ihr gar nicht gut bekommt und das Babyalter für sie so kräftezehrend ist, dass sie sich eine zweite Schwangerschaft erstmal nicht vorstellen kann - wie reagiert der Mann dann darauf? Beharrt er auf die gemeinsam getroffene Abmachung und unterstützt die Frau liebevoll darin ihre Ängste und Sorgen zu überwinden um den gemeinsamen Plan verwirklichen zu können, oder nimmt er sich Zeit um die Situation neu zu überdenken und eine neue Vorstellung zu entwickeln? Auch hier gibt es kein "richtig" oder "falsch". Doch das Paar muss sich einig werden, welcher Weg der richtige für sie ist.

Unabdinglich für die eigene Familiengestaltung ist auch das Aufarbeiten von Verhaltensmustern, Prägungen und Verletzungen aus der Herkunftsfamilie. Wie waren die Rollen bei unseren Eltern verteilt und wie fanden wir das? Wie viele Geschwister hatten wir und wie haben wir uns in der Konstellation gefühlt? Welche Schwierigkeiten hatten wir als Klein- oder Großfamilie, welche Vorteile sehen wir darin?


Geld

Geld regiert die Welt - und die Ehen obendrein. In Deutschland sind finanzielle Uneinigkeiten der häufigste Scheidungsgrund! Egal, ob wir getrennte oder gemeinsame Konten führen wollen, in unserem Alltag werden wir permanent mit den Ausgabegewohnheiten unseres Partners konfrontiert werden. Wir sollten uns daher klar darüber werden, wie unser gemeinsamer Umgang aussehen soll. Und was Einfluss darauf hat:

Welche Rolle spielte das Geld bei unserer Herkunftsfamilie, wie sind unsere Eltern mit dem Thema umgegangen. Welche Ausgaben waren "selbstverständlich", welche waren "Luxus"? Wurde gespart? Wie? Und für was? Wie war die Geschenkkultur der Familie? Einfach,aufwendig, günstig, teuer? Empfand man sich selbst als großzügig oder hielt man sein Geld eher beieinander?

Und als man sich aus der Herkunftsfamilie löste, wie haushaltete man da mit seinem eigenen Geld? Woher kam es und wohin ging es? Wurde gespart? Wie? Wofür? Welche Ausgaben waren unabdingbar, welche "gönnte" man sich gern, welche gar nicht und welche nur widerwillig? Wie genau nahm man es mit Pflichtabgaben, Fahrkartenkauf auch auf kurzen Strecken, sprich wie "korrekt" ging man mit Geld um?

Wer soll zukünftig die Familie versorgen und wodurch? Festanstellung, Selbstständigkeit, sonstige Einnahmen, Vollzeit, Teilzeit, Gleitzeit. Welchen Stellenwert hat die Arbeit? Soll sie "Geld" bringen oder gehört sie auch zur Selbstverwirklichung?

Wieviel Geld "reicht"?

Soll gespart werden? Wie? Für was?

Welche Lebensziele müssen finanziert werden? Arbeiten wir beispielsweise auf ein Haus hin, eine lange Fernreise, ein Aussteigerleben, auf Unabhängigkeit oder schlicht auf Reichtum?Wollen wir uns Autos, Hobbys, Gegenstände, Kinder, Tiere, Reisen leisten?

Welchen Lebensstandard sind wir gewohnt und welchen wollen wir erreichen? Unter welchen Umständen sind wir bereit Opfer zu bringen und auf finanzielle Mittel zu verzichten?


Zeit

Wenn man Familie und Geld zusammennimmt, ergibt sich wie von selbst die Frage nach der Zeitgestaltung:

Wofür wollen wir Zeit aufwenden? Für die Familie - also schlichtweg wirklich Zeit in physischer Zusammenkunft der Familie - oder für den Verdienst für die Familie? Also die Arbeit. Wollen wir Zeit investieren in Reisen, Hobbys, Bildung, Gemeinschaft, soziale Projekte, Ehrenamt, Charakterbildung, unsere Gesundheit, unser Aussehen?

Gibt es feste Zeiten, in denen manches nicht erlaubt ist? Gibt es Zeiten, die nur für eine bestimmte Sache reserviert sind? Gibt es "gemeinsame" Zeiten, die von jedem eingehalten werden sollen, der zur Ehe/Familie gehört? Etwa Essenszeiten, in die keine Termine gelegt werden sollen. Oder Eheabende, die für den Partner reserviert sind. Gibt es Zeiten für Familienausflüge, in denen man sich nicht verabreden darf?

Oder können beide Partner besser damit umgehen, wenn Zeit flexibel genutzt wird für die Dinge, die dann anstehen?

Fühlen wir uns durch Spontanität frei? Oder überfordert sie uns?
Helfen uns Grenzen und gute Organisation, Strukturen - oder engen sie uns ein?


Probleme

Und was machen wir, wenn wir merken, dass wir doch ganz unterschiedliche Vorstellungen haben? Wie groß muss die Differenz sein, dass sie als "unüberbrückbar" gelten darf? Wie schwer wiegen unsere Bedürfnisse und wie leicht fällt es uns Dinge auch einmal anders zu betrachten?

Wenn man sich in einem der ersten drei Punkte sehr uneins ist, ist von einer Heirat zunächst einmal abzuraten. Vielleicht regeln sich manche Punkte innerhalb einer "normalen" Beziehung noch, vielleicht braucht es auch die Zeit, um sich einzugestehen, dass eine dauerhafte, verbindliche Bindung nicht das Richtige wäre.

Aber der Umgang mit Differenzen sollte unbedingt geübt und besprochen werden. Wie verhalten wir uns, wenn wir uns nicht gerecht behandelt fühlen? Wählen wir den Rückzug? Schotten wir uns ab? Werden wir laut und zornig? Gar handgreiflich? Werden wir ausfallend, persönlich. Bleiben wir immer sachlich und emotionslos? Wollen wir alles bis ins letzte Detail ausdiskutieren, oder brauchen wir viel mehr die Bestätigung und Gewissheit, dass wir geliebt und geachtet sind, obwohl wir anders denken?

Wollen wir Probleme schnell aus der Welt schaffen oder wollen wir sie gründlich lösen? Wollen wir Lösungen, die für alle oder viele Situationen gelten, oder suchen wir jedes Mal eine individuell passende Lösung?

Sitzen wir Streit aus, oder suchen wir Versöhnung?

Wie haben unsere Eltern gestritten? Gibt es Verletzungen aus der Kindheit, die wir im Streit erlitten haben, die unser Streitverhalten prägen? Wurde geschrieen oder ruhig diskutiert? Wurde gar nicht gesprochen und nur duch Blicke und Verhalten manipuliert? Wurden Probleme einfach unter den Tisch gekehrt?


Gleich, welcher Themenbereich gerade ansteht. Die Frage ist immer:

Wie bin ich geprägt, was ist mir momentan wichtig und was wünsche ich mir für die Zukunft (nicht)?

Unterschiede können dabei so bereichernd sein wie Gemeinsamkeiten einheitsschaffend. Ähnliche Erlebnisse und Lebensgeschichten verbinden und steigern das Verständnis für den Partner. Unterschiede wirken ausgleichend - im richtigen Maße.

Jedes Paar ist individuell und jedes Paar entscheidet, wie schnell eine Beziehung verbindlich werden soll. Es gibt kein "richtig" und kein "falsch", solange stets wertschätzend und zielführend kommuniziert und miteinander umgegangen wird. "Einfach so" ergeben sich keine guten Ehen. Das ist vor, während und nach der Eheschließung Arbeit.

Es ist mehr als sinnig, sich ein gutes Fundament für die Ehe zu schaffen: Offene, wertschätzende Kommunikation (ein)üben, sich der eigenen Vergangenheit und Prägung bewusst werden und die eigenen Lebensziele und -wünsche formulieren lernen.

Denn nur eine gute Ehe kann eine gute Familie hervorbringen:

  1. Single sein; wertvolle Jahre
  2. Mr. Right und Miss Perfect
  3. Heiraten: Drum prüfe wer sich ewig bindet
  4. Vernunft vs. Wunsch: Der richtige Zeitpunkt
  5. Kinderwunsch: wie wird man schwanger?
  6. Das Kind in meinem Bauch: Schwangerschaft
  7. Wehen und Geburt
  8. Babys erstes Jahr