Single sein hat in unserer Gesellschaft zwei Gesichter. Und je nach dem wie alt man gerade ist, ist es okay oder eben nicht okay Single zu sein.

Ich muss rückblickend sagen: Meine Single-Jahre waren die (bisher) wichtigsten Jahre zur Grundsteinlegung (m)einer Ehe.Ich meine damit nicht die Jahre bis zu meiner Pubertät - diese Jahre waren auch unheimlich wichtig, aber diese nennt man Kindheit. Ich war von 14 bis 20 Jahre in einer Beziehung. Und dann Single. Ein bisschen
"falsch rum". Denn bis wir 20 Jahre alt sind, erwartet niemand von uns, eine ernsthafte Beziehung zu führen. Da wird schonmal gefragt "Und, hast du eine(n) Freund/in?" - Aber mehr als ein halbes bis ganzes Jahr Beziehung wird da gar nicht angenommen.

Ab Zwanzig drängt sich die Frage geradezu auf "Und du bist single?" -"Hast du einen Freund?" - "Den/Die Richtige(n) noch nicht gefunden?".

Den Falschen hatte ich gerade hinter mir gelassen, das hilft. "Bin frisch getrennt". Und dann "Nee, erstmal nicht", versteht eigentlich jeder. Aber wenn wir noch gar keine Beziehung hatten, oder eine so lang zurückliegende, dass sie nicht mehr gelten kann, dann zweifeln wir langsam an uns selbst. Warum sind wir noch single? Was ist falsch an uns? Was ist falsch an meinem Gegenüber? Die Guten sind schon weg...

Und obwohl ich schon früh wusste, dass ich gerne heiraten würde, war ich sehr gerne Single. Für meine Freundinnen eine erfrischende Perspektive. Denn manchmal sehen wir unser Single-sein als eine Strafe an. Oder als einen Makel an uns. Ich durfte lernen: Es ist so eine kostbare Zeit!

Denn single war ich vorrangig deshalb gerne, weil ich gerade aus einer wirklich schlechten Beziehung kam. Lieber allein, als mit jemanden, der einem auf die eine oder andere Weise nicht gut tut. Das verstehen wir alle. Aber wir verstehen vielleicht nicht, wie wichtig die Single-Jahre danach oder davor oder dazwischen wirklich sind.

Single-Sein ist ja nicht die Wartezeit, bis der Großartigste von Allen kommt. Eine Zeit, die es abzusitzen gilt, ehe "das Leben" beginnt. Eine Zeit, die einfach verstreicht, bis "alles Gut" wird. Denn spätestens wenn wir die erste misslungene Beziehung hinter uns haben, bekommen wir eine Ahnung davon, welches Potential die Single-Zeit birgt.

Denn - Überraschung - zu einer Beziehung gehören immer zwei. Ja, dein(e) Ex war bestimmt richtig daneben - aber du vielleicht auch?

Natürlich gibt es objektive Gründe, die eine Beziehung schlecht machen. Aber es gibt auch all' die kleinen versteckten. Was ist zum Beispiel mit unseren Erwartungen? Die vielleicht nicht erfüllt wurden. Sind wir uns überhaupt bewusst, welche Bedürfnisse wir haben? Können wir sie formulieren? Wissen wir worauf eine Beziehung hinauslaufen soll? Wissen wir, was wir mögen und was für uns gar nicht geht? Können wir zwei Dinge nennen, die unser Partner erfüllen muss, damit wir ihn respektieren können? Und fünf? Oder zehn? Und viel wichtiger: Können wir zwei, fünf oder zehn Dinge nennen, die uns zu einem guten Patner machen?

Single-Zeit ist vor allem die Zeit, in der wir Beziehung mit uns selbst führen müssen. Und dürfen! Was für ein Privileg! Sie legen den Grundstein für alle anderen Beziehungen - nicht nur in der Patnerschaft, auch in Freundschaften und mit Kommilitonen, Arbeitskollegen und Mitschülern.

Beziehung mit sich selbst zu führen ist freilich ziemlich anstrengend. Denn man kann nichts vor sich selbst verstecken. Man sollte es zumindest nicht. Wir wissen genau, wann wir gelogen haben, etwas gegessen haben, das wir uns eigentlich selbst verboten haben, wann wir Dinge aufgeschoben, statt erledigt haben, welche geheimen und vielleicht gar nicht netten Gedanken wir zu Dingen oder Menschen denken.

Wir wissen meistens warum Dinge misslingen, oder liegen bleiben. Wir wissen um unsere eigene Trägheit, Sturheit oder unseren Stolz, haben aber keinerlei Antrieb das zu ändern. Schließlich lässt es sich auch mit einem Berg Schmutzwäsche gut leben. Irgendein T-Shirt wird schon noch "gut" sein. Und in der Küche wird sich auch noch ein Teller finden, auf dem man die Tiefkühlpizza schneiden kann.

Ein Lebensstil, den wir an anderen maximal unattraktiv empfinden würden, stört uns bei uns selbst gar nicht so sehr. Wir wissen ja, das wir auch anders könnten. Wenn wir müssten. Oder wenn es irgendwann an der Zeit dafür ist. Aber bis dahin ist so ein Leben sehr bequem.

Doch wenn wir ehrlich sind: "Bis dahin?" Wann ist der Punkt erreicht, an dem sich etwas ändert? Wenn wir uns erst ändern wollen, wenn Mr Right oder Miss Perfect vor der Tür steht, ist es doch eigentlich schon zu spät. Denn Miss Perfect wird an dir kein Interesse haben, wenn sie sieht, wie groß der Wäschehaufen im Schlafzimmer geworden ist. Und Mr Perfect würde vielleicht lieber ein Rezeptebuch in der Küche vorfinden, als ein großen Stapel ungespültem Geschirr.

Was hier ganz plakativ-klischeehaft geschildert wird lässt sich einfach auf die Baustellen in unserem Leben übertragen, die nicht so offensichtlich sind: Unsere Bereitschaft Kompromisse einzugehen, zum Beispiel. Unsere Spontanität oder unsere Entscheidungsfreude. Unser Umgang mit Freunden und Familie, unsere Art und Weise unsere Zeit zu gestaltetn und unser Geld auszugeben.

Welche Bereiche in unserem Leben laufen gut, mit welchen sind wir zufrieden, wie sie sind? Und welche Dinge sollten wir - weil Freunde, Familie und vielleicht auch Fremde uns das spiegeln, oder weil wir selbst uns daran stören - noch angehen, ehe wir uns selbst einem Partner zumuten können?

Denn wenn wir uns Familienplanung so oder so ähnlich wünschen, sollten wir uns im Klaren sein, dass wir der/die Patner/in sind, die unser Mr. Right oder unsere Miss Perfect sehnlichst erwarten.

  1. Single sein; wertvolle Jahre
  2. Mr. Right und Miss Perfect
  3. Heiraten: Drum prüfe wer sich ewig bindet
  4. Vernunft vs. Wunsch: Der richtige Zeitpunkt
  5. Kinderwunsch: wie wird man schwanger?
  6. Das Kind in meinem Bauch: Schwangerschaft
  7. Wehen und Geburt
  8. Babys erstes Jahr

Single-Sein bedeutet nicht, in keiner Beziehung zu sein. Single-Sein bedeutet, in einer Beziehung mit uns selbst zu sein. Uns selbst zu wertschätzen, uns zu verwöhnen, uns zu respektieren. Uns etwas zu gönnen und auch barmherzig zu uns selbst zu sein. Uns zu lieben und uns anzunehmen, wie wir sind. Das Beste aus uns
herausholen zu wollen, ohne ungnädig zu sein.