Auf dem Bildschirm sieht man weiß, viel schwarz und ein bisschen grau. Ein winziger Fleck flackert. Ein schlagendes Herz. Von einem Menschen, der gerade einmal wenige Wochen alt ist. Wahrscheinlich etwa 5 Wochen alt. Seit 3 Wochen wissen wir, dass es ihn gibt.

Noch ist dieser Mensch winzig klein, nur Kopf und Rumpf sind voneinander zu unterscheiden. Doch in den nächsten 5 Wochen wird er seine inneren Organe ausbilden, Arme, Beine, Hände, Füße, Finger und Zehen bekommen. Ein Gehirn, Lunge, Leber, Knochen, Sehnen und Muskeln.

Und in den nächsten 5 Wochen könnten wir ihn töten, ohne, dass wir dafür belangt werden würden. Abtreiben, nennt man das.

Aber dieses Kind lebt. Und ist ein Kind. Und nichts anderes als ein Kind, das leben will.


Immer wieder Debatten über Abtreibungsgesetze, über Selbstbestimmtheit und Wahlfreiheit. Über Lebenspläne und Moralvorstellungen.

Distanzierungen, die aus dem zarten, schutzbedürftigen Wesen im eigenen Bauch ein "Es", ein "Zellhaufen" oder gar "Parasit" machen. Die das Leben erst ab einer bestimmten Lebensdauer als lebenswert bezeichnen. Oder ab einem Prozentsatz an Gesundheit.

Ein Kind, das betrifft immer mindestens drei Menschen. Die Mutter, den Vater und das Kind. Welches Recht steht vor wessen Recht? Wer entscheidet über Leben und Tod? Welches Leben ist mehr wert? Wessen Meinung ist mehr wert?

Hat ein Ungeborenes denn Rechte? Ist es ein Mensch? Und wenn ja, ab wann?

Wenn das Herz schlägt? Wenn das Gehirn seine Tätigkeit aufnimmt? Wenn er selbstständig atmet? Wenn er sich selbstständig versorgen kann?

Ein Mensch entsteht in dem Moment, in dem Eizelle und Samenzelle verschmelzen. Denn wenn aus Eizelle und Samenzelle ein Mensch wird, sind Haarfarbe, Augenfarbe, Größe, Geschlecht, selbst die wahrscheinliche Lebensdauer, auch Begabungen und Charakter bereits auf Lebzeiten festgelegt. Ein einzigartiger Mensch ist entstanden. Ihn hat es zuvor niemals gegeben und ihn wird es in Zukunft niemals wieder geben.

Er ist. Er "wird" auch, so wie wir "werden". Immer älter, immer anders, immer neu. Ja, einzig unser Erscheinungsbild, die äußere Gestalt, ändert sich ab dem Zeitpunkt der Zeugung. Im Mutterleib, nach der Geburt, über das Säuglingsalter in die Kinderjahre, zum Teenager, zum Erwachsenen, bis in den Tod - immer sehen wir ein wenig verändert aus.

Das neue Leben ist nicht erst ein Mensch, wenn es atmet. Nicht erst ein Mensch, wenn das Herz schlägt. Wenn das Gehirn aktiv wird. Wenn, wenn, wenn.

Wenn ein Mensch erst ab einem dieser Merkmale Mensch wäre, was wäre er dann zuvor? Und gäbe es die letzten 90 Lebensjahre eines Menschen, gäbe es die ersten 12 Schwangerschaftswochen nicht?

Das neue Leben ist ein Mensch, wenn es entstanden ist und somit existiert. Nur weil es ist, ist es wertvoll.


Bis zur zwölften Schwangerschaftswoche darf in Deutschland ein Kind getötet werden. Zu diesem Zeitpunkt sind bereits die menschliche Gestalt und die wichtigsten inneren Organe klar und deutlich im Ultraschall zu erkennen.

2017 wurden 101 200 Schwangerschaftsabbrüche in Deutschland gemeldet. Nur 4 % wurden aufgrund von medizinischen Gründen (Lebensgefahr für Mutter und/oder Ungeborenes) oder kriminologischen Gründen (Vergewaltigung, Missbrauch) vorgenommen. 96 % der Abtreibungen gehen auf die sogenannte "Beratungsregelung" zurück.

Es werden mehr. Zum Vorjahr ist die Anzahl um 2,5 % gestiegen. Der Großteil, nämlich 72 % der Frauen, die abtreiben, sind zwischen 18 und 35 Jahren alt. Also im idealen Alter, um Kinder zu gebären und großzuziehen. Gerade einmal 3 % sind minderjährig.

72% der Frauen, knapp dreiviertel der Gesamtheit, die abtreiben, sind also weder durch die Schwangerschaft bedroht, noch offensichtlich durch ihre Lebensumstände stark beeinträchtigt (sehr junges oder hohes Alter).

Und obwohl jede Geschichte individuell und jede Entscheidung von vielen Faktoren beeinflusst ist, stellt sich mir eine Frage:

Warum?


Reden wir nicht über die Grenzfälle.

Reden wir nicht über die 4 % , die aufgrund großer physischer und psychischer Probleme einen Ausweg suchen. Reden wir über die 96 %.

Über 96 Prozent, die sich selbst nicht ernst genug nehmen. Oder zu ernst. 96 Prozent, die vor einem Problem stehen, dass sie selbst geschaffen haben. Aus Unwissenheit oder Ignoranz, aus Egoismus oder Illusionen, aus purer Leichtsinnigkeit oder aus Versehen.


Ich glaube, dass mindestens 5 Schritte nötig sind, um ein Kind zu zeugen, dass man sich eigentlich gar nicht wünschte. Und 6 Schritte sind es, die es mindestens braucht, um ein ungewolltes Kind abzutreiben.

6 Schritte, die ich in den nächsten Wochen gerne zum Thema machen möchte. Weil "mein Bauch" tatsächlich "mir gehört". Und weil das Leben, dass in ihm wächst, nicht mir gehört.

Weil ein Kind zu zeugen heißt, Verantwortung zu haben. Nicht erst, wenn das Kind entstanden ist. Sondern schon vor seiner Entstehung.

Denn bis wir vor einem umgewollten Kind stehen, haben wir mindestens eines dieser 5 Dinge grundlegend missverstanden:

  1. Was ist Sex?
  2. Wie funktioniert mein Körper?
  3. Wie funktioniert Verhütung (nicht)?
  4. Mit wem habe ich Sex?
  5. Wann habe ich Sex?

Und wenn eines davon, mehrere oder gar alle einmal oder öfter missverstanden worden sind, dann stehen wir vor der Frage, um die sich über Jahrzehnte und Jahrhunderte eine Vielzahl von Debatten dreht:

  1. Wie gehe ich damit um, wenn Leben entsteht, obwohl ich das nicht beabsichtigt habe?

Wenn wir beginnen uns, unseren Körper, unsere Sexualität und das darin liegende Potential ernst zu nehmen, können wir erfahren wie wertvoll Leben ist.

Das eigene. Das des Partners. Das des ungeborenen Kindes.

Reden wir nicht über Abtreibung. Reden wir über verantwortungsvolle Sexualität.