| Familiengründung

Schwanger schafft

Als ich zum aller ersten Mal einen positiven Schwangerschaftstest in den Händen hielt hätte ich vor Glück, Vorfreude und Gespanntheit platzen können. Verrückt, dachte ich, nun bin ich wirklich nicht mehr allein.

Dabei hatte ich es schon geahnt. Eine Schwangerschaft beginnt nunmal nicht mit dem positiven Schwangerschaftstest, sondern in dem Moment, in dem die Samenzelle des Mannes mit der Eizelle der Frau verschmilzt. Und dann ist es nicht mehr Teil des Mannes mit Teil der Frau, sondern Mensch. Ein einzigartiger, wertvoller und so niemals wieder vorkommender Mensch.

Wenn ich daran denke, das eben dieses Wunder schon drei Mal in meinem Körper stattgefunden hat, bekomme ich Gänsehaut. Verborgen, geborgen. Und doch, wenn wir ganz leise in uns horchen, können wir ahnen, welches Wunder gerade geschehen ist.

Unser erstes Kind, dass trotz vollster Liebe angenommen und bewusst eingeladen wurde, war eine Überraschung. Ich beobachte meinen Zyklus schon lange und kenne ihn eigentlich gut und wusste: Da kann kein Kind sein. Und doch spürte ich, es ist da. "Hallo, kleines Baby" flüsterte ich ihm heimlich zu "Schön, dass du bei uns bist!". Und so absurd es mir dabei vorkam, zwei Wochen später bestätigte sich überraschend und unvorhergesehen dieses leise Gefühl.


Die ersten Wochen der Schwangerschaft fühlten sich völlig surreal an. Denn in meinem Körper veränderte sich spürbar nur sehr wenig. Ich wurde sehr viel geruchsempfindlicher und auch emotionaler. Mir fiel es schwerer mich zu konzentrieren und oft überfiel mich eine bleierne Müdigkeit. Doch von einem kleinen Menschlein war noch lange nichts zu fühlen. Weder wuchs der Bauch, noch spürte man sanfte Tritte und Boxer aus dem Inneren. Ich musste mir immer wieder sagen: Da ist ein kleiner Mensch in mir. Tatsächlich und wahrhaftig unser Kind! Ein Kind, dass es nie in diese Welt schaffen würde, aber heiß geliebt, gewollt, gewertschätzt wurde und einen ewigen Platz in unserem Herzen hat.

T1 war geplant, ersehnt, erhofft. Und jede kleinste Veränderung interpretiert. Und die kleine, leise Stimme, die mir verriet, dass unser erstes Kind den Weg zu uns gefunden hat, wurde laut und unbarmherzig übertönt. Angst und Sorge prägten die ersten Wochen: Wird diesmal alles gut gehen? Werden wir wirklich Eltern? Schlägt das Herz beim nächsten Termin noch? Schaffen wir die kritischen ersten Wochen? Eine emotionale Zerreißprobe, die leider viele Eltern teilen. Denn jede 5te Schwangerschaft endet frühzeitig.

Die laute Stimme, die einen glauben machen möchte, so viel Glück könne man nicht haben, dass man einmal noch ein gesundes Kind empfangen darf, schrie bei T2's geplanter, ersehnter und erhoffter Schwangerschaft noch lauter. Während ich bei T1 noch daran glaubte, dass es geklappt hat, dachte ich bei T2 noch, es wäre gar nicht erst ein Kind entstanden. Ganz als hätte T2 dies gespürt, machte sie sich schon bald bemerkbar: Übelkeit und Müdigkeit hatten mich fest im Griff. Gar nicht so einfach, mit einem Säugling im Haus. Keine Nacht konnte ich durchschlafen, tagsüber das Baby versorgen - es blieb kaum Zeit der Müdigkeit, die den Körper zur Ruhe zwingt, nachzugeben. Doch mein Mann fing diese erste, anstrengende Zeit extrem gut ab. Ging mit unserer Tochter viel raus, damit ich mich ausruhen konnte, ließ mich morgens nach dem Stillen noch gute 2 Stunden weiter schlafen, ehe die Kleine wieder hungrig wurde.


In der ersten Schwangerschaft erreichten wir das zweite Trimester nicht. Tränenreich und am Boden zerstört, mussten wir uns von unserem Kind schon wenige Wochen nach dessen entstehen verabschieden.

Umso schwerer wog die Freude, als wir das zweite Trimester mit T1 erreichten. Die Sorge fiel weitestgehend ab und schuf Raum für großartigere Gefühle. Das Kribbeln im Bauch, das gleichzeitig die Begeweungen deines ungeborenes Kindes und das Glücksgefühl, dieses erleben zu dürfen, spürbar machte. Endlose Stunden, in denen der Bauch gestreichelt, besungen, liebkost und mit allerlei kostbaren Worten bedacht wurde. Den Zauber zum ersten Mal spüren, wenn einem bewusst wird, dass man einem Menschen einen Namen geben darf. Und dann den Druck zu spüren, dass man das auch in jedem Fall müsse. Entscheiden zu dürfen, was das Beste, Schönste, Nötigste fürs Baby ist. Tausend Blogs, Vlogs, Channels, Artikel durchstöbern und vor Vorfreude zu zergehen.

Dass ich körperlich eingeschränkt bin, habe ich in der dritten Schwangerschaft früher gespürt. Ich war schneller erschöpft, schneller müde. Die Schwangerschaft lief viel mehr nebenher. Vorbereitungen? Müssen wir kaum treffen, es ist ja noch alles da. Aufs Sofa legen und Bauch streicheln? Da kam gleich ein anderer kleiner Bauch angetapst und mochte bespielt werden. Und dennoch war es die Zeit, in der ich das Gefühl hatte: Jawohl, mir geht es prima. Genau so hab' ich es mir gewünscht.


Das letzte Trimester mit T1 war fast genauso angenehm wie das Zweite. Erst die allerletzten Wochen waren sehr anstrengend. Es wurde heiß, über 30 Grad. Über Wochen hinweg. Und unser Wohnzimmer war den Sonnenstrahlen beinah schutzlos ausgeliefert. Manchmal lag ich nackt, alle Viere von mir gestreckt, wie ein vertrockenter Seestern auf unserem Bett und bewegte mich keinen Millimeter. Und schwitzte dennoch. Ich konnte mich nachts kaum drehen, jedes Aufstehen war ein kleiner Kraftakt und berghoch kam ich nur noch in Zeitlupe. Der Bauch wurde einfach überdimensional groß und schwer und war immer und überall im Weg - und doch hatte ich bis zuletzt das Gefühl: Das passt, ich komm noch an meine Füße ;). An T1's ET (Sie kam 3 Tage danach) lief ich noch eine ca. 7 km lange Runde mit meinem Mann "spazieren". Ich war fit, trotz allem. Haha, woohoo!

Das dritte Trimester mit T2 in meinem Bauch war dem von T1 ähnlich. Ich merkte wie der Bauch im Weg war, wenn ich die Große trug, auf den Schoß nahm, bekuscheln wollte. Wenn sie an meiner Hand lief, musste ich den Rücken gerade halten, denn eine leicht gebückte Haltung schaffte ich nur noch wenige Meter. Zu groß war die Gefahr vornüber zu kippen. Jeden Mittag hielt ich mit T1 Mittagsschlaf, anders kam ich nicht über den Tag. Sogar wach wurde ich nachts ab und an, weil ich zur Toilette musste - und ahnte: Bald werden wir wieder jede Nacht mehrmals wach werden... und ein Neugeborenes, einen einzigartigen Menschen, der mit unserer Hilfe in meinen Bauch gefunden hat - und dort verborgen und beschützt, geheimnisvoll und wunderbar versorgt, geliebt und heiß ersehnt heranwächst.

Und dann beginnt die unerträglich lange Zeit des Wartens. Warten auf die Geburt. Ein Warten, dass Zugleich Freude und Respekt, vielleicht auch Angst beinhaltet. Warten auf ein Wesen, dass von Gott gemacht, von uns empfangen, geliebt, gewertschätzt ist.

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Kostbar

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Weiblich, Achtundzwanzig, Ehefrau, Mutter, Freundin. Literaturwissenschaftlerin mit einem großen Herzen für (Gottes) Worte und junge Menschen, Familien und andere Kostbarkeiten.

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