| Kostbar(keiten)

Natürlich Elter

Fast ein Jahr war es ruhig um Kostbarkeiten.blog. Ich hatte Kostbarzeit.

Ein wenig verändert wird sich das Erscheinungsbild von Kostbarkeiten präsentieren. T1 wird bald schon 2 Jahre alt und T2 ist fast 8 Monate. Wir, mein Mann und meine Töchter, sind zu einem tollen Team zusammengewachsen. Wir sind nun Ä/Elter.

Ich bin siebenundzwanzig, das ist irgendwie nicht mehr Mitte Zwanzig, und die großen Fragen des Seins werden nun nur noch nachrangig mit studierenden und berufseinsteigenden Freunden diskutiert. Ich bin schlichtweg nicht in ihrer Lebenslage. Kein ebenbürtiger Ratgeber. Zeit, Geld, Körperlichkeiten - das bekommt alles eine andere Färbung.


Als Elter treffe ich weitreichende Entscheidungen nicht mehr (fast) allein für mich. Sondern immer auch für ein Leben, das nicht mir gehört und dennoch unzertrennlich mit meinem verwoben ist. Verwirrend, im wahrsten Sinne des Wortes.

Verwirrung ist ohnehin ein Grundzustand im Elternsein. Denn Entscheidungen müssen permanent und dazu noch zügig getroffen werden. Da werden vermeintlich fadenfeine Alltagsentscheidungen wie man sein Baby zu nähren, kleiden und wickeln hat zu gewichttragenden Strängen im großen Geflecht des Seins.

Da können wir mit unseren Überzeugungen, arglos geäußert, leicht beherzt in das grobgelaubte aber engmaschiggesponnene Lebensmuster des Gegenübers greifen und ohne jegliche Absichten eine hässliche und dazu noch unpraktische Laufmasche ziehen.

Dabei wühlen wir in unserer Verwirrtheit mit permanenten, observativen gegenseitigen Beurteilungen bloß orientierungssuchend, an Leitfäden hangelnd, im Lebensmuster der Anderen herum, weil wir dem, was wir instinktiv spüren, irgendwie ein sicheres Netz spinnen wollen:

Wir spüren, dass das Elternsein, neben all den Anstrengungen, Entbehrungen und Verantwortlichkeiten vor allem eines ist: ein kostbares Geschenk. Ein zartes, wertvolles und unfassbar geschätztes Wesen wurde uns anvertraut und lehrt uns, was es wirklich heißt, unvoreingenommen, rückhaltlos und an keine Bedingung geknüpft zu lieben. Wir sind und wollen so eng mit unserer Familie verwoben sein, dass wir Fäden spinnen, fester, sicherer, schöner - denn wir alle wollen, dass das Band nicht reißt.

Weil Liebe dabei unser Antrieb ist, wird Leidenschaft der Takt, in dem wir unsere Fäden spinnen. Wir spinnen mal schnell, mal langsam, mal engmaschig und mal locker-leicht. Immer aber in Hinblick auf das, was wir waren, sind und sein wollen, auf das, was wir unserem Kind bieten, ermöglichen und erleichtern wollen. Und wir spinnen, weil wir glauben, das müsse so sein, das mache man so, das wäre so richtig.

Wir sind also verwirrt, weil wir spinnen, oder spinnen, weil wir verwirrt sind. Und malen, damit das ganze irgendwie doch den Anschein von Schönheit, Perfektion, Nachahmenswertes hat, das ganze Gewebe auch noch an. Und das kann grün, gelb, türkis, taupe oder burgunder sein. Rot, grau, lachs oder orange. Nur schwarz/weiß, das ist gefährlich.

Wir weben groß, um Luft zum Atmen zu haben, klein und fest, um einen starken Halt zu geben. Wir weben quer oder längst, dick oder dünn, in der Hoffnung, unsere Familie beisammen zu halten, in dem Bestreben es gut zu machen. Und weil wir uns bei unseren Spinnerein etwas denken, glauben wir, wir wären besser mit unseren Kindern verwoben. Dabei sind wir wie alle nur verwirrt auf der Suche nach der perfekten Spinnerei.

Diese Suche ist individuell, muss es sein, denn wir sind von unserer Herkunftsfamilie geprägt, durch unsere Umstände begrenzt und durch unsere Zukunftsvisionen angetrieben. Die Materialien, mit denen wir weben, sind also verschieden. Anders belastbar, unterschiedlich verarbeitbar und verschieden gut geeignet für dieses oder jenes Gewebe. Es gibt folglich keine "richtige" Art, sein Lebensgeflecht zu gestalten. Es gibt nur ein gut. Und in jeder neuen Entscheidungsfindung ein: Bestmöglich.


Verwirrt in leidenschaftlicher Liebe zu unserer Familie, in der bisher intensivsten Phase unseres Lebens, haben wir viele wertvolle Erkenntnisse sammeln dürfen. Zum Beispiel genau das, wovon ich schreibe: Eltern lieben ihre Kinder. Ganz egal wie verwirrend das zum Ausdruck kommt. Aber auch: Entscheidungen sollten immer wieder überprüft werden, Ansichten dürfen ergänzt werden. Solche und weitere Gedankenstränge sollen sich (dann etwas wortreicher) neben all' den zeitlosen Kostbarkeiten wie Körperwert und Eigenliebe in die Rubrik Lesens- und Lebenswertes einreihen.

Aber auch die fadenfeinen Alltagserkenntnisse, persönliche Schlüsselmomente, Überzeugungsgedanken und ganz Praktisches möchten wir aus unserem neuen Alltag mit euch teilen. Denn so vielfältig gefärbt diese Fädchen auch sein können, wir finden im alltäglichen Flasche oder Brust, Stoffi oder WWW, Familien- oder Gitterbett, bergen sich so wertvolle kleine und große Überzeugungen. Eben Alltagswerte. Wie kommen wir auch in diesen Fragen zur bestmöglichen Entscheidung für uns?

Aber: Wie geht das eigentlich los, mit dieser Verwirrung? Unsere Reihe zur Familienplanung werde ich fortsetzen und uns dann die Frage stellen, wie es nach der Grundsteinlegung "Eltern/Kind" weiter geht. Auch diese höchst individuell umsetzbare Webart des Lebensmusters soll in eine Themenreihe zusammengefasst werden. So wie ich es schon bei dem überaus wertvollen Thema verantwortungsvolle Sexualität gemacht habe. Denn diese und manch andere weitreichenden, kostbaren Entscheidungsfindungen sind nur umfassender als mit 1000 Worten und einem Bild zu ergründen.

Immer bestrebt, den Wert in den Umständen des Lebens, dem Sein der Menschen und dem Gewicht unserer Entscheidungen zu finden, ihn schätzen und bewahren lernen, freue ich mich auf unsere gemeinsame Kostbar-Zeit!

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Weiblich, Achtundzwanzig, Ehefrau, Mutter, Freundin. Literaturwissenschaftlerin mit einem großen Herzen für (Gottes) Worte und junge Menschen, Familien und andere Kostbarkeiten.

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