Vier junge Frauen Anfang zwanzig sitzen in ihrer Jugendgruppe und unterhalten sich. Über den Glauben, das Studium und die Liebe. Sie schmieden Pläne, träumen.

Fünf Jahre später führen alle vier ein anderes Leben. Nina hat gerade geheiratet, Katja ist schwanger und ich, die Dritte, habe bereits eine wundervolle Tochter.

Annika ist Single. Meistens ist das ganz okay für sie. Doch heute, wo sie mich mit meiner Tochter sieht und Katja auf Ninas Hochzeit wiedergesehen hat, ist ihr wieder bewusst geworden, dass wir vor fünf Jahren alle noch auf dem selben Stand waren: Single. So viel hat sich verändert, so viel ist passiert. Aber nur im Leben der anderen.

Wer einen Partner gefunden hat, hat etwas Gutes gefunden, steht in der Bibel. [1] Und auch Kinder sind ein Segen.[2] Will Gott sie nicht segnen? Verwehrt er ihr ihren Partner? Liebt Gott sie nicht?

Für Menschen, die nicht an Gott glauben, stellen sich andere Fragen: Was ist falsch an mir? Bin ich nicht attraktiv genug? Bin ich beziehungsunfähig?

Irgendwie glauben wir, dass wir ein Recht auf einen Partner haben. Dass wir einen Partner haben müssten. Älter werden, einen Partner finden. So läuft das nun mal. Und wenn wir (erstmal) keinen finden, dann meinen wir, dass etwas gründlich schief läuft. Etwas stimmt nicht. Entweder mit mir, oder mit den Anderen, oder mit Gott.

Vielleicht traut mir Gott das nicht zu. Vielleicht enthält er mir absichtlich einen Partner vor. Vielleicht bin ich zu gut für alle anderen, zu lieb, zu dick, zu hässlich, zu dumm, zu gebildet, zu reich oder zu klug. Von irgendwas zu viel, von irgendwas zu wenig.

Ich bin mal mutig und behaupte:

Wir haben kein Anrecht auf einen Partner.

Ja, denkst du, du hast gut reden, du bist schließlich verheiratet und mit einem gesunden Kind gesegnet. Das stimmt, da hast du Recht. Aber Single war ich auch mal. Ich kenne diese Situation. Ich war auch alleine. Ohne Mann, ohne Kind. Und ich habe mir all' diese Fragen auch schon gestellt.

Mein "Alleinsein" hat dazu geführt, dass ich deutlich mehr verstanden habe, als ich es je hätte tun können, wenn ich schon immer in einer Beziehung gewesen wäre. Mich hat es unter anderem auf eine Beziehung vorbereitet. Das muss nicht immer so sein. Es gibt Menschen, die ihr Leben lang allein sein dürfen. Oder solche, die erst spät einen Partner finden.

Die Meisten heiraten und/oder bekommen Kinder. Aber nicht alle. Die, die es nicht tun, sind nicht übriggeblieben. Sie sind nicht weniger gesegnet oder benachteiligt, unfähig oder von irgendwas zu viel oder zu wenig. Sie haben schlichtweg einen anderen Auftrag.

Zwar gibt Gott uns die Aufgabe, uns zu vermehren und die Welt einzunehmen - doch das gilt der Menschheit, nicht dem Einzelnen.
"Geht hin und macht zu Jüngern"[3] dagegen gilt jedem einzelnen Menschen. Und manchen Menschen gilt dieser Auftrag in einem besonderen Umfang.

Paulus zum Beispiel. Der wusste, warum er den Männern riet, nicht zu heiraten.[4] Denn eine Frau und Kinder zu ernähren ist eine große, sehr verantwortungsvolle Aufgabe. Sie raubt Zeit, Kraft, Nerven und ja, auch Geld. Wie hätte Paulus seinen Auftrag erfüllen können, wenn er seiner Ehefrau verpflichtet gewesen wäre? Er hatte ja schon Mühe genug, sich selbst zu ernähren.[5] Für einige von uns, gibt es also einen Spezial-Auftrag. Eine größere Aufgabe. Es ist reine Gnade von Gott, wenn er dich für diese Aufgabe freistellt.

Doch unabhängig davon, wie lange wir Single sind und was unser persönlicher Auftrag ist - Gott liebt dich. Er enthält dir nichts vor.

Denn Segen ist ein +, ein Bonus, ein Goodie. Das heißt du bist vollkommen. Ganz ohne Partner. Gott wollte dich auf dieser Erde haben. Deshalb hat er dich entstehen, heranwachsen und gedeihen lassen. Es geht ihm immer nur um dich. Nicht um dich und Wer-auch-immer.

Du bist kostbar, wertvoll, heißgeliebt. Du bist genug.

Gott hat uns nicht auf diese Welt gestellt, um möglichst viele Kinder zu bekommen. Oder eine möglichst perfekte Ehe zu führen. Auch nicht, um möglichst vollkommene Werke zu vollbringen. Sondern um in Beziehung mit ihm zu leben.

Es geht ihm um dich.

Alles andere ist Bonus.


  1. Wer eine Frau gefunden hat, der hat etwas Gutes gefunden und Wohlgefallen erlangt vom HERRN. (Sprüche 18,22 LUT17) ↩︎

  2. Siehe, Kinder sind eine Gabe des HERRN, und Leibesfrucht ist ein Geschenk. (Psalm 127,3 LUT17) ↩︎

  3. Darum geht und macht alle Völker zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. (Matthäus 28,19 EU) ↩︎

  4. Beide treffen also eine gute Entscheidung – der, der seine Verlobte heiratet, und der, der ledig bleibt. Besser ist allerdings der zweite Weg. (1. Korinther 7,38 NGÜ) ↩︎

  5. Denn ihr wisst, wie ihr unserm Vorbild folgen sollt. Denn wir haben nicht unordentlich bei euch gelebt, (8) haben auch nicht umsonst Brot von jemandem genommen, sondern mit Mühe und Plage haben wir Tag und Nacht gearbeitet, um keinem von euch zur Last zu fallen. (1. Thessalonicher 3,7-8 LUT17) ↩︎