Welche Beziehung ist uns am Allerwichtigsten? Die zu unserem Partner? Zu unseren Eltern? Zu unseren Geschwistern? Zu unseren Familien? Zu unseren Freunden? Zu unseren Mitschülern, Kommilitonen, Arbeitskollegen? Zu unserem Haustier? Zu Jesus? Zu einem Menschen, an den wir niemals herankommen werden? Die Person, in die wir verliebt sind?


Als ich das erste Mal verliebt war, war ich 12 oder 13. Und der Junge, in den ich mich verliebt hatte, wurde zur wichtigsten Person dieser Welt für mich. Obwohl es keine nennenswerte Beziehung zwischen uns gab, war ich eifersüchtig auf alle Mädchen, die mit diesem Jungen sprachen. Ich wollte ihn für mich allein. Ich wollte ihn für immer für mich allein. Und ich wollte - auf eine ganz unschuldige Art - küssen, kuscheln, nah sein.


Als ich mich 10 Jahre später in meinen Mann verliebte, lernte ich andere Seiten dieses Hochgefühls "Verliebtsein" kennen.

In meinen Augen war mein Mann perfekt. Ganz einfach perfekt. Und kein Mann der Welt konnte an ihn heranreichen. Kein Mann der Welt kann jemals an ihn heranreichen - das denke ich auch heute noch.

Die bloße Anwesenheit meines Mannes machte mich glücklich. Egal, wer noch um mich war, egal wie schlecht mein Tag gewesen ist, solange mein Mann um mich war, war ich glücklich. Sicher wäre es tragisch gewesen, wenn auf einen Schlag alle anderen Menschen weg gewesen wären - aber weil er da ist, könnte ich damit umgehen.

Wo er war, da war Zukunft. Ich hatte tausend Pläne, Ideen, Wünsche, Vorstellungen, die mit meinem Mann verknüpft waren. Wir würden heiraten. Wir würden Kinder bekommen. Wir würden große Dinge tun. Wir würden die Welt verändern. Oder wir würden einfach uns verändern. Egal was passiert, Hauptsache er wird da sein.

Und da war noch etwas: Ich wollte alles mit ihm teilen. Am Ende des Tages erzählte ich ihm stundenlang am Telefon oder von Angesicht zu Angesicht, wie mein Tag war, wer mir begegnet ist, was für Gespräche und Gedanken ich hatte. Ich wollte so viel wie möglich von ihm wissen und ich wollte, dass er alles, wirklich alles mit mir teilte.


Und dann gab es etwas in meinem Leben, dass mir immer wieder begegnete: Verliebtsein in Jesus.

Obwohl ich von klein auf damit konfrontiert war, dass Frauen wie Männer in Jesus "verliebt" waren, sein wollten und sollten, fand ich es im höchsten Grade befremdlich.

Denn ich hatte mein kindliches Verständnis von Verliebtsein auf das Verliebtsein in Jesus übertragen. Und ich hatte noch nie das Bedürfnis Jesus zu küssen. Ihn ganz allein für mich haben zu wollen, oder gar in irgendeiner Art und Weise Familie mit ihm zu haben.

Doch ich glaube, diese größtenteils körperliche Seite des Verliebtseins ist damit nicht gemeint. Kein intimer Kuss, kein inniges Kuscheln, keine Eifersucht und keine märchenhaften Heiratspläne.

Verliebtsein in Jesus bedeutet in erster Linie: Nicht ohne ihn sein wollen.

Ähnlich wie es mir mit meinem Mann erging und ergeht, will ich ununterbrochen bei ihm sein, ununterbrochen alles mit ihm teilen, für immer, auf ewig.

Wenn wir verliebt in Jesus sind, wollen wir alles mit Jesus teilen. Unser ganzes Leben. Die Freuden und den Frust, das Lachen und das Leiden, die Höhepunkte und Höhlenzeiten. Wenn wir einkaufen, wenn wir in die Gemeinde gehen, wenn wir an der Bushaltestelle sitzen oder im Auto. Im Gespräch mit der Nachbarin oder dem Kassierer im Supermarkt. In der Schule, auf der Arbeit, Zuhause, im Umgang mit Eltern, dem Partner, Kindern.

Verliebt in Jesus heißt auch: Ich will mein Leben mit ihm verbringen und fest mit ihm planen. Er ist ein wesentlicher Bestandteil meiner Zukunft. Und deswegen beziehe ich ihn ein. Frage ihn, was er zu meinen Plänen zu sagen hat, was seine Pläne sind.

Verliebt in Jesus heißt auch: Wo er ist, da bin ich geborgen. Und auf eine Art auch glücklich.

Verliebt in Jesus heißt, er allein genügt. "Christ is enough for me" - Jesus reicht aus.

Für mich eines der herausforderndsten Liedtexte. Ist es wirklich so? Ist Jesus wirklich "genug" für mich? Mein "Ein und Alles"? Wenn er genug ist, dann müsste ich alles aufgeben können, ohne mich allein und leer zu fühlen. Ohne zu denken, es würde etwas fehlen.

Und was ist, wenn mir genommen wird, was ich am Meisten liebe? Meinen Mann? Mein Kind? Meine Eltern? Meine Geschwister? Meine Familie? Meine Freunde? Meine Gesundheit?

Wenn all' das wegfällt, wäre ich immer noch glücklich? Reicht Jesus dann immer noch aus? Ist er wirklich die wichtigste, wertvollste Beziehung meines Lebens?


Eine meiner schönsten Zeiten im Leben war die Zeit unmittelbar nach dem ich die Beziehung zu meinem damaligen Freund beendet habe.

Es war mitten in der Prüfungsphase und ich hatte einige Klausuren vor mir. So lebte ich etwa einen Monat das Prinzip "Ora et Labora", beten und arbeiten. In der Zeit, in der ich nicht für die Uni lernte, betete ich. So intensiv wie nie zuvor und selten danach.

Mein Leben war ein Stück weit aus den Fugen geraten und viele meiner bisherigen Überzeugungen und Vorstellungen musste ich neu begreifen. Fehler einräumen, Irrtümer enttarnen und den ganzen Frust darüber zulassen.

Ich weinte und flehte, rang mit mir, meinem Glauben und ließ mich von Jesus trösten.

Er war immer da. Mit mir, auf dem Raufaserteppich meines 24 Quadratmeter großen Studentenapartments. Kniend, liegend, im Kreis laufend. In den Himmel blickend, das Gesicht in die Hände vergrabend. Egal wohin ich mich wand, er war da.

Obwohl diese Zeit geprägt war von Wut, Trauer, Schmerz, Verzweiflung und Verwirrung, und ich niemanden (vor Ort) hatte, war diese Zeit doch eine der allerschönsten.

Denn Jesus war da, ganz nah. Und in seiner Gegenwart war alles schön, war alles hell, war Friede. Friede, der höher war, als meine Vernunft, der leiser war als das tosende Leben und weiter als mein kleiner Horizont.

Ich hatte keinen Mann, kein Kind, kein Job, keine Freunde, keine Gemeinde, keine Zukunftspläne und Visionen. Kein Ehrenamt, kein Hobby, keine Termine und kein Rang.

Nur Jesus.

Und das war genug.


Dann gibt es Zeiten, in denen mein Leben erfüllt ist von Freude, gemeinsamer Zeit, Qualität, etc. - und doch fühle ich mich leer.

Ich habe einen Mann, der mich gut behandelt und den ich liebe. Ich habe eine zauberhafte Tochter, von der ich überzeugt bin, dass es das süßeste Baby der Welt ist. Ich habe eine intakte, liebevolle Familie, eine tolle Schwiegerfamilie, eine Gemeinde, die mich fordert und fördert, einen großen Freundeskreis, genug Geld um mir ein angenehmes Leben zu ermöglichen, ich bin gesund. Ich habe alles und noch mehr.

Und trotzdem ist da diese Leere in meinem Herzen. Dieser dunkle Raum, der sagt: Es fehlt etwas.

Und ich frage mich: Noch ein Kind? Noch ein Urlaub? Noch eine Runde Netflix? Noch ein Eis? Eine neue Freundin? Eine neue Stadt? Was würde mich glücklich machen? Ein neues Umfeld? Eine neue Gemeinde? Gar ein neuer Partner? Eine neue Beziehung? Zu wem, zu was auch immer?

Nein.

Noch mehr Jesus.

Denn was nützt alle Erkenntnis, Zeit, Liebe, Bemühungen, Beziehung, wenn Gott sie nicht segnet und Jesus nicht da ist? Denn wo Jesus ist, da bin ich geborgen. Wo Jesus ist, da ist Leben, wo Jesus ist, ist Zukunft.

Ich kann alles haben, wenn ich Jesus nicht habe, ist alles wertlos.

Die Beziehung zu Jesus ist die wertvollste der Welt. Das wertvollste meines Lebens.