Und es ist "doch" passiert: Die Regelblutung bleibt aus und der Schwangerschaftstest sagt: Positiv.

Wie konnte das passieren?

Eine ungewollte Schwangerschaft bricht nicht aus heiterem Himmel über uns herein wie ein Meteoriteneinschlag. Sie ist nicht so willkürlich wie der plötzliche Tod eines geliebten Menschen, eine Krankheit, die uns unverhofft einholt oder eine Naturkatastrophe, die uns unverschuldet heimsucht.

Eine ungewollte Schwangerschaft entsteht, weil wir uns falsch, fahrlässig oder unverantwortlich entschieden haben. Wir haben uns entschlossen, Sex zu haben.

Ganz gleich, ob wir die falsche Verhütungsmethode gewählt haben, den falschen Partner, die falschen Umstände, den falschen Zeitpunkt: Wir haben Sex gehabt. Wir haben gewusst, dass Sex der Anfang von neuem Leben ist.

Wir haben, um einmal einen juristischen Ausdruck zu wählen, billigend in Kauf genommen, dass eine Schwangerschaft entstehen kann. Ein Leben. Ein Mensch.


Ja, es ist "gemein", wenn die Verhütung versagt. Wenn man eigentlich verantwortungsvoll gehandelt hat, indem man eine Schwangerschaft vorbeugen wollte. Und es dann einfach nicht geklappt hat.

Aber entbindet uns das wirklich von jeder weiteren Verantwortung? Geben uns diese Umstände das Recht, das Leben, das wir verhindern wollten, nachträglich zu "verhindern"? Oder werden wir uns bewusst, dass wir eigentlich wissen mussten, dass Verhütung nie ganz sicher ist?


Wow, Mutter/Vater wollte ich schon immer mal werden - aber ein Kind von dem/der? Niemals! - Doch wir haben mit ihm geschlafen. Wir haben uns für diesen Menschen als potentielles Elternteil unseres Kindes entschieden. Nicht das kleine Leben in unserem Bauch hat gesagt: Hier, Mutter/Vater, den/die will ich haben!


Beim ersten Mal, während der Stillzeit, während der Periode wird man nicht schwanger? Der Kalender "sagt" ich hatte meinen Eisprung schon? Verhütung ist was für Loser? Das ist naiv und uninformiert. Und rate, wer sich nicht informiert hat. Wir. Nicht das kleine Baby in deinem Bauch.


Ich will zwar irgendwann ein Kind, aber "jetzt" passt es einfach nicht. Ich bin mitten in der Ausbildung, im Studium, kurz vor der Beförderung, beim Hausbau, auf Weltreisen, in der Umorientierung, in der Phase meines Lebens, in der ich genießen will...? Ist das wirklich ein triftiger Grund, einen Menschen zu töten? Dem Baby ist es egal wie alt wir sind, welchen Beruf wir haben, in welchen vier Wänden wir wohnen, wieviel Geld, wieviel Lebenserfahrung wir haben: Es will leben. Leben und geliebt werden. Wir bewerten unsere Umstände als "unpassend" - wir, nicht unser Kind.


Wie nimmt man die eigene Verantwortung wahr?

Die ersten fünf Schritte haben schon mit Verantwortung zu tun. Verantwortung für den eigenen Körper, die eigene Lust, die eigene Partnerwahl, das Schaffen von guten bis idealen Umständen.

Doch wenn wir in den ersten fünf Fällen die Verantwortung nicht wahrgenommen haben, weil wir uns dessen nicht bewusst waren, oder es fahrlässig in Kauf genommen haben - dann ist jetzt der letztmögliche Zeitpunkt (endlich) Verantwortung für das zu übernehmen, was wir selbst geschaffen haben: Das ungeborene Leben.

Verantwortung für das Schützenswerte in uns zu übernehmen.

Verantwortung übernehmen, gute bis ideale Umstände für das Kleine zu schaffen. Verantwortung zu übernehmen, den richtigen Partner an der Seite zu haben (Trennung, Heirat, Familienmitglieder!). Verantwortung zu übernehmen, indem man die eigene Hilflosigkeit und Not annimmt, Hilfe sucht, Hilfe zulässt.

Verantwortung wahrnehmen, die sich für das unschuldige Leben einsetzt.

Verantwortung wahrnehmen, indem man sich eingesteht: Ja, ich habe mich selbst in diese Situation gebracht. Niemand anderes außer ich.

Ich habe es mir ganz anders vorgestellt. Ich wollte doch noch dieses und jenes erledigen. Meine Ausbildung, mein Studium ganz normal beenden. Den nächsten Karriereschritt gehen, das Haus kaufen, diese eine Reise machen, mein Leben genießen, Ziele erreichen, Persönlichkeit bilden.

Und jetzt kommt es anders.

Und das ist okay.

Ich kann das Kind zur Adoption freigeben, von den eigenen Eltern oder anderen Verwandten (mit)pflegen lassen, mir professionelle Hilfe suchen, mein Leben einfach umstellen. Ein klitzekleines bisschen. Platz schaffen, für ein Leben, dass ich entstehen hab lassen.

Für das ich mich entschieden habe, ehe es entstanden ist.

Denn fünf Schritte bin ich gegangen, ehe ich vor der Frage stand: Treibe ich ab?

  1. Ich hatte ein falsches Bild von Sex.
  2. Ich kannte meinen Körper nicht.
  3. Ich habe mich (zu sehr) auf die Sicherheit von Verhütung verlassen.
  4. Ich habe den falschen Partner gewählt.
  5. Ich habe die falschen Umstände gewählt.

Unser Körper gehört uns. Wir haben uns entschieden, wie wir mit ihm umgehen. Wir haben uns in diese Situation gebracht. Wir sind dafür verantwortlich.

Doch das Leben in uns, gehört nicht uns.

Sei mutig. Dein und des Kindes Leben ist es wert.