| Familiengründung

Vernunft vs. Wunsch - der richtige Zeitpunkt

Auch wenn der richtige Partner schon gefunden ist und das Hochzeitsfest gefeiert wurde - die Frage danach, wann der beste Zeitpunkt für ein gemeinsames Kind gekommen ist, ist noch unbeantwortet.

Zeit, Zeit, Zeit. Eines der Güter, mit denen wir weise umgehen sollten. Und eines der Güter, die trügerisch sind: Denn obwohl wir alle gleich viel Zeit besitzen, geben wir ihr alle einen anderen Stellenwert - und somit einen anderen Wert, welcher gegen andere aufgewogen wird.

Schnell erscheint es, als könne man mit Zeit kalkulieren wie mit Geld. Ich habe 10 Euro zur Verfügung: Wie lege ich sie an? Ich habe 80 Jahre zur Verfügung: Wie fülle ich sie?

Wir ahnen es schon: Den richtigen Zeitpunkt, ein Kind zu bekommen, gibt es nicht. Nicht beim ersten, nicht beim zweiten, dritten, vierten...

Und dennoch können wir uns gute und sinnvolle Gedanken machen:


Die biologische Uhr

Mann und Frau können nicht zu jedem beliebigen Zeitpunkt ihres Lebens Eltern werden. Zunächst muss die Pubertät einsetzen und die Geschlechtsorgane reifen. Und viel später lässt die Fruchtbarkeit auch wieder nach oder verschwindet ganz. Es gibt also einen biologischen Zeitrahmen, der das Kinderbekommen begrenzt.

Einer Umfrage des Allensbach-Institutes zufolge sind sich Frauen und Männer durchaus bewusst, dass die Fruchtbarkeit im Laufe des Lebens nachlässt. Allerdings vermuten mehr als die Hälfte aller Befragten, dass diese Furchtbarkeitsminderung bei der Frau erst ab 40 oder gar 45 einsetzt.

Tatsächlich nimmt die Fruchtbarkeit der Frau bereits 20 Jahre (!) früher ab, nämlich ab Mitte 20. Zunächst langsam, ab dem 30ten Lebensjahr jedoch immer schneller. Eine 37jährige Frau hat pro Zyklus gerade einmal eine 13prozentige Chance auf eine Schwangerschaft. Eine 40jährige Frau hat nur noch eine 5prozentige Chance.

Der Biologie zufolge ist der beste Zeitpunkt ein Kind zu zeugen, auszutragen und zu gebären bei einer Frau also in den frühen bis mittleren Zwanzigern.


Lebensstandard

Mitte Zwanzig soll ideal sein, doch die durchschnittliche deutsche Erstgebärende ist bereits 30 Jahre alt. Das kann an unserem Lebensstandard liegen. Denn seltenst entscheiden wir aufgrund von unserer Biologie, vielmehr entscheiden viele Faktoren darüber, ob wir jetzt ein Kind bekommen wollen/können.

Wer jung, frisch von der Uni oder gerade erst ins Arbeitsleben gestartet ist, hat noch ganz andere Erwartungen an ein "angenehmes" Leben. Entbehrungen kennt man schon aus den Jahren davor, und das Prinzip, dass man nicht alles haben kann, was man möchte, ist in der noch nicht sehr lang zurückliegenden Kindheit verankert und wirkt noch nach. Kinder sind nicht in erster Linie "teuer", weil sie wirklich viel bräuchten - sondern vor allem, weil wir Eltern viel brauchen um uns das Leben mit Kind so angenehm wie möglich zu machen... und der Anspruch steigt mit den Jahren.

Sprich: Wenn wir uns bis Mitte Dreißig einen ordentlichen Lebensstandard erarbeitet haben, werden wir diesen auf unser Familienleben übertragen. Und ja, dann wird es schnell teurer. Ein größeres Haus, ein größeres Auto, ein Urlaub für mehr Personen, dieses, jenes, alle Spielzeuge, Babykurse, Kinderschwimmen, Freizeitparks, Zoobesuche - es gibt so viele verlockende Dinge, die Eltern und Kindern viel Spaß bereiten. Wer es gewohnt ist selbst Saunatage einzulegen, in Restaurants zu gehen und Wochenendtripps zu machen, wird mit seiner Familie eher nach solchen zugegebenermaßen teuren Ausflügen suchen, als jemand, der ohnehin jedes Wochenende eher im Stadtpark unter einem schattigen Baum beim Picknick anzutreffen ist.

Keines von beiden ist besser oder schlechter - es ist eine Frage der Prioritätensetzung. Während junge Eltern die Trotzphasen ihrer Kinder vielleicht körperlich besser wegstecken, kreativer mit der Zeit und dem zur Verfügung stehenden Geld umgehen, können reifere Eltern gelassener reagieren und viele Abenteuer möglich machen, die sie wenig(er) Anstrengung kosten.

Früh Kinder zu bekommen bedeutet auch: Früh wieder ohne Kinder zu sein. Und vielleicht auf früh Oma und Opa zu werden.

Spät bedeutet: Lange ein Leben nur für sich/den Partner etc. führen zu können, ehe die Kinder viel Raum einnehmen.


Lebenspläne

"Ich muss aber noch...." - Wer seine Familienplanung nicht vom Alter, sondern von den Lebensumständen abhängig machen will, wird schnell merken: Einem fällt immer noch diese eine Sache ein, die vorher noch erledigt werden sollte.

Zuerst wollten wir die Ausbildung abschließen, dann unser erstes eigenes Geld verdienen, dann noch etwas sparen. Dann das Haus kaufen/bauen, das Zweitauto finanzieren, eine letzte große Reise unternehmen, die Entfristung oder Beförderung abwarten, den Keller ausbauen, nochmal eine neue Stelle annehmen, ein neues Hobby
ausprobieren...

Pläne treiben uns und unser Leben an. Und das ist auch gut so. Wenn wir aber darauf warten, dass sich unsere Umstände von allein "passend" für den Nachwuchs ergeben, werden wir schnell alt und grau sein. Denn irgendwas ist immer, dass sich nicht offensichtlich vereinbaren lässt.


Lebensumstände

Lebensstandard und Lebenspläne zusammengefasst ergibt die
Lebensumstände. Wo befinde ich mich gerade im Leben und wo möchte ich noch hin?

Die wichtigsten Umstände um sich für ein Kind zu entscheiden sind: Sei in einer festen, verbindlichen Partnerschaft. Kinder gehören in einen sicheren, geschützten Rahmen. Nicht in eine Traumphantasie einer/zweier naiver Personen. Erst, wenn wir uns für unseren Partner entschieden haben, können wir uns für ein gemeinsames Kind entscheiden.

Sei versorgt. Wer verdient das Geld um die Familie zu ernähren? Wer hilft, wenn das Kind auf der Welt ist? Welche staatlichen Mittel dürfen wir in Anspruch nehmen? Elterngeld, Kindergeld, Wohngeld - worauf haben wir Anspruch und wann und wie beantrage ich die Gelder?

Sei vorbereitet: Wer übernimmt welchen Teil der Kinderpflege und
-erziehung? Sprecht darüber! Die Rollenaufteilung ist alles andere als "klar" und "selbsterklärend". Und wird sich im Laufe der ersten Jahre sicher noch mehrmals verändern. Wir sollten offen und ehrlich kommunizieren wie wir uns die Erziehung unseres Kindes vorstellen und wie das Familienleben gestaltet werden soll.


Denn ehe wir Familie werden, sind wir selbst gewachsen, haben unseren Partner kennengelernt und uns ganz und gar für ihn entschieden. Erst dann haben wir die richtige Basis gelegt, um ein oder mehrere Kinder großzuziehen.

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Kostbar

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Weiblich, Achtundzwanzig, Ehefrau, Mutter, Freundin. Literaturwissenschaftlerin mit einem großen Herzen für (Gottes) Worte und junge Menschen, Familien und andere Kostbarkeiten.

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