mit diesen Worten endet der Trauvers. Seid fröhlich allezeit, betet ohne Unterlass, seid dankbar in allen Dingen - denn das ist der Wille Gottes in Jesus Christus für euch.

Jeder Mensch ist von Gott einzigartig gemacht. Daran glaube ich. Jeder Mensch ist im höchsten Maße individuell und keine Kombination von Aussehen, Gedanken und Lebenslauf wird sich je auf dieser Welt doppeln. So individuell wie wir Menschen sind, so individuell sind die Wege, die Gott mit uns geht.

Manchmal schöpfen wir Hoffnung aus diesem Gedanken: Ich habe mich verrannt, aber Gott weiß, wohin es geht. Manchmal lähmt uns dieser Gedanke jedoch. Gott hat einen Weg für uns - was ist, wenn wir ihn nicht sehen? Ihn gar verlassen? Woran erkenne ich, welcher Weg der Richtige ist?

Wir fragen uns an jeder Kreuzung unseres alltäglichen Lebens, spätestens aber vor dem unumfahrbaren Stoppschild oder in der nächsten Sackgasse, wohin wir gehen sollten. Wohin Gott uns gehen lassen möchte. Wir fahren eine frisch geteerte, breit ausgebaute Straße entlang und lauern an jeder Auffahrt, die wir passieren, auf den Wink mit dem Zaunpfahl: Hier gehts lang, hier ist dein Platz.

Es ist, als würden Adam und Eva hungrig durch den Garten Eden schleichen und jeden Baum mit Früchten vorüber ziehen lassen, auf der Suche nach diesem einen Baum, von dem sie leider nicht wissen, wie er aussieht. So ist es aber nicht geschrieben, oder? Unser allmächtige und allwissende Gott hat einen Baum in den Garten Eden gepflanzt, von dem Adam und Eva nicht essen sollten. Und er hat ihnen diesen Baum gezeigt, sie kannten seine Gestalt. Gott hat viele Bäume in den Garten Eden gestellt, von denen allen Adam und Eva probieren und essen durften.

Wir haben ein Buch erhalten, das lebendige Wort Gottes, das unmissverständlich deutlich macht, was nicht Gottes Willen entspricht. Wir sollen zum Beispiel nicht morden. Wir dürfen keinem Menschen das Leben nehmen. Da ist Gottes Wort sehr konkret. Wievielen Menschen wir hingegen das Leben schenken dürfen, steht nicht geschrieben. "Vermehrt euch" - Gilt das jedem einzelnen Menschen oder eher der Menschheit allgemein? Und ab wann hat man sich vermehrt? Nach einem Kind oder erst bei Dreien, weil die ersten beiden bloß Vater und Mutter ersetzen?

Es steht auch geschrieben, dass wir unseren Nächsten lieben sollen. Den Armen spenden, die Kranken besuchen. Führen wir ein christlicheres Leben, wenn wir möglichst viel davon abhacken? Ein Patenkind in Afrika, ein Freiwilligeneinsatz in Südamerika, ehrenamtliches Engagement im Altenheim. Evangelisation in der Einkaufspassage, "Kind Gottes" oder "Jesus lover" im Instagram-Profil?
In welchem Land sollen wir unser Freiwilligenjahr absolvieren, welche Ausbildung macht Gott Ehre und welchen Partner hat Gott für mich? Wir wägen ab, wieviele Kinder wir brauchen, um widerzuspiegeln, wie wertvoll Gott jeder Mensch ist und welches Ehrenamt wir ergreifen, um ein möglichst christliches Leben zu führen.
Sind das Dinge, die Gottes Willen entsprechen? Die unser Leben christlicher machen? Wir sinnen über so viele Dinge nach und vergessen dabei, dass es so etwas nicht gibt, ein "christlicheres" Leben. "Christlich" ist, in Christus zu sein.


Die Umstände unseres Lebens sind für Gott nicht entscheidend. Wenn wir seine Gesetze halten und in Gemeinschaft mit ihm leben, ist es egal, ob wir im Reihenhäuschen wohnen und 40 Stunden die Woche einer Erwerbsarbeit nachgehen oder unser Leben lang von einem unentdeckten Volk zum nächsten wandern um Gottes Wort zu verkünden - überall sind Gottes geliebte Kinder, die unsere Zuwendung brauchen. Unser Nachbar genauso wie das zurückgezogene Volk im Amazonasgebiet. Unser Kollege genau wie das hungernde Kind in Afrika. Die Frau, der wir jedem Morgen in der Bahn begegnen, genau wie die katastrophengeplagten Menschen in Krisengebieten. Barmherzigkeit, Nächstenliebe, Evangelisation - alles kann und soll und muss überall stattfinden. In entlegenen Ländern wie in unseren verkehrsberuhigten Spielstraßen.

Der Wille Gottes für unser Leben ist selten konkret verdingbar, situativ. Er betrifft weniger unsere Lebensumstände, als immer uns als Person. Wir erkennen, welche Wege von Gott sind, wenn wir nah in und an ihm bleiben. Und genau das tun wir, wenn wir fröhlich sind, in der Gewissheit, dass er es gut mit uns meint, beten und bitten und danken ohne Unterlass und dankbar sind, für alles. Auch das, was nicht unseren Vorstellungen entspricht. Ja, wenn wir das durch Jesus annehmen und darin bleiben, dann verfehlen wir niemals Gottes Willen für unser Leben: Leben in Gemeinschaft mit ihm.