...lautet nun die letzte Aufforderung unseres Trauverses. Auf dem ersten Blick erscheint die Aufforderung eine bloße Umformulierung der ersten Aufforderung zu sein. Fröhlichkeit und Dankbarkeit ist schließlich eng miteinader verwandt. Wofür ich dankbar bin, stimmt mich fröhlich und wenn ich fröhlich bin, fällt es leicht, dankbar zu sein.

Aber wie oft sind wir undankbar aus dem einzigen Grund, dass etwas nicht nach unserer Vorstellung verlief? Wie oft empfangen wir Nachrichten, Herausforderungen, Aufforderungen zerknirscht und lustlos? Lassen uns von kleinen Details das Große und Umfassende verdrießlich machen?


Der Bruder meines Mannes hat letzten Sommer geheiratet. Ich habe mich schon lange im Vorraus auf die Hochzeit gefreut. Es sollte die erste Hochzeit in der Familie meines Mannes sein, auf der ich Gast sein würde - nicht Braut. Die erste Hochzeit seit langem, auf der ich weder schwanger noch stillend sein würde. Ich würde trinken können, was ich wollte, essen, was ich wollte und tanzen, wie ich wollte. Ich würde mich schön machen können, ohne auf Umstands- oder Stillmode zurückgreifen zu müssen. Und unsere Familie würde da sein - alle beisammen. Neben wohliger Nestwärme würde das vor allem auch eines für mich und meinen Mann bedeuten: Die Kinder werden stets auf dem Arm und in Bespaßung eines der anderen Familienmitglieder sein. Ich erwartete die maximale Freiheit, das maximale Wohlgefühl.

Und erlebte einen ganz anderen Abend. Denn schon beim Betreten der Kirche, ahnte ich, dass der Tag anders verlaufen würde, als meine kühnen Hoffnungen mich zu träumen wagten. Denn ganz vorn, neben der Band, stand sie.

Und das allein war für mich so überraschend wie aufwühlend, dass ich Mühe hatte, diesen Umstand in meine Abendplanung einzuweben. Aufwühlend war vor allem, weil es überraschend war. Ich hatte es nicht geahnt. Die Hochzeit meines Schwagers war zu meiner persönlichen Wohnfühloase stilisiert wurden. Und ich war nicht darauf vorbereitet gewesen, mit der Wirklichkeit konfrontiert zu werden.

Und wurde es doch. Ich konnte nicht einschätzen, wie das den Abend verändern würde. Trinken und Essen werde ich können, keine Frage. Auch meine Kinder werde ich vertrauensvoll in andere Hände geben können. Aber die gemütliche Nestwärme wollte sich nicht recht einstellen. Die unbeschwerte Freiheit wurde von dem wirren WTF-Gefühl überlagert, dass ich in meinem bisherigen Leben noch nicht so richtig kennengelernt hatte.

Verwirrt aber überwiegend fröhlich floss der Abend in die Nacht. Bis zu dem Moment, in dem die Kinder im Buggy schlafend in die Hände der Großeltern übergeben wurden. Mit den Worten "Geht ihr mal Tanzen, wir passen hier auf.", entlassen uns Schwiegermama und Schwiegerpapa und ich husche noch kurz zur Toilette, ehe mich mein Mann im Saal, in dem schon ordentlich getanzt wurde, mit wenig feierlichem Gesicht empfängt: "Ich würde dann jetzt gerne noch mit meiner Ex sprechen.". Ihr könnt ahnen wir dankbar ich für diese Worte war. Genau: Gar nicht. Nicht ein klitze kleines bisschen.

Die richtige Emotion war: Enttäuscht. Ich hatte mir diesen Moment so schön vorgestellt. So befreiend. Eine Zeit, die letztes Jahr so selten war: Nur er und ich und die Gewissheit, dass diese Zeit nur für uns ist. Tanzen, trinken, fröhlich sein. Die Kinder wohl behütet wissend. Niemand kann uns aufhalten...

... ach ja doch. Sie. Es folgte ein kurzer Meinungsaustausch warum er dies für nötig und ich dies für unnötig hielt und dann die lose Vereinbarung, dass das so nun stattfinden wird und ich das parteilos geschehen lasse. Ohne dem zuzustimmen und ohne etwas dagegen zu unternehmen. Und ohne dankbar dafür zu sein.

Klar, ich hatte ganz nette Gespräche in der Zeit. Und wertvolle Zeit zu zweit mit meiner besten Freundin - übers Telefon. Ja, da war ich dankbar für. Und bin es noch. Aber das kann nicht gemeint sein. Denn wenn ich aufwiegen muss, welches Gefühl ich mit diesem Abend verand, dann war ich enttäuschter, als ich dankbar war. Nein, das kann nicht gemeint sein.

Aus vollem Herzen dankbar, will ich sein. Für die Situation, für dieses Ding, eben in allen Dingen.

Zwei Stunden telefonieren, um das Ganze irgendwie nicht aussehen zu lassen, als warte ich. Zwei Stunden damit zufrieden sein müssen, etwas zu tun, obwohl man gern etwas anderes getan hätte. Zwei Stunden aufwachende Kinder. Müde, enttäuscht, verunsichert und eben doch wartend ging der Abend ganz anders zu Ende, als ich es mir erhofft hatte.


Entspannt, beinah fröhlich, auf jeden Fall sichtbar erleichtert trat mein Mann mit seiner Familie den Heimweg an. Seine Frau war dabei eher abweisend, undankbar und dennoch seltsam einverstanden. Es brauchte ein paar Gespräche, ein paar Stunden und ein paar Tränen, ehe ich verarbeitet habe, was mich so aufgewühlt hatte. Und doch konnte ich bald, nicht einmal eine Woche danach, sagen. Ich bin dankbar.

Dankbar für meinen Gott, der meine Perspektive ändert.
Dankbar für meine beste Freundin, die immer ein offenes Ohr für mich hat - auch wenn ich irre.
Dankbar für eine großartige Familie, die mich (unter)stützt und liebt.
Dankbar für meinen Mann, der hinter seinen Entscheidungen steht.
Dankbar für meine Ehe, in der offene Kommunikation und das ehrliche Teilhaben an den Gedanken und Gefühlen des Anderen ein tragender Pfeiler ist.
Dankbar für einen Gott, der mir Demut lehrt und mir zeigt, wie heilsam Unterordnung ist.
Dankbar, dass Gott Raum für anhaltende und zukunftsweisende Heilung schafft. Dankbar, dass wir reflektieren, kommunizieren, einander wertschätzen können. Mit dem wie wir fühlen, denken, sind und waren.

Dankbar dass unsere Ehe durch diesen Abend gestärkt wurde, viel stärker, als er es je hätte können, wenn wir (bloß) ein paar fröhliche Stunden gemeinsam verbracht hätten.


Fröhlichkeit und Dankbarkeit unterscheiden sich. Fröhlichkeit ist eine Grundstimmung, die unser Handeln und Denken leiten soll. Wir sollen in dem Glauben wandeln, dass Gott uns liebt und dass wir allezeit Grund zur Freude haben.

Und ich war an diesem Abend fröhlich in der Gewissheit, dass Gott diese Situation trägt. Wie leicht hätte solch eine Situation einen anderen Ausgang nehmen können, wenn ich nicht froh gewesen wäre, meinen Gott bei mir zu wissen. Der es gut mit mir - aber auch mit meinem Mann und der Frau, die bei Zeiten an seiner Seite war - meint. Froh, dass er uns liebt und das Beste für uns sucht. Aber dankbar?

Nicht allezeit, immer, ohne Unterlass, müssen wir Dankbarkeit empfinden. Aber wir dürfen uns darin üben, in allen Dingen eine dankbare Haltung zu finden. Dinge, Umstände, Erlebnisse sind Ereignisse, die sich gliedern lassen und somit zumindest zeitweise einen Abschluss finden. Sie sind nicht fortwährend, sie sind abgrenzbar. Und diese Grenzen dürfen wir ziehen, auf das erlebte zurückblicken und unsere Perspektive von Gott verändern lassen. Und dafür dankbar werden, dass Gott uns diesen Weg geführt hat.

Dankbarkeit ist der tiefe Friede, und das ungetrübte im Reinen sein, mit einer Situation, einem Umstand, in dem wir Gottes Führung erkennen, annehmen und wertschätzen lernen.

Dankbar, im Glauben und der Hoffnung, den besten Weg zu beschreiten. Mit Gott.