Unsere Flitterwochen gingen nach Island. Mit dem Jeep steuerten wir jeden Tag mehrere Ziele an, einmal rund um die Insel. Ganz am Anfang fuhr ich auch ein paar Kilometer. Aber der Jeep fuhr sich so schwammig, die Straßen waren so eng, dass ich mich fürchtete und mein Mann den Rest der zwei Wochen fuhr. Ich war Beifahrerin.

Während mein Mann fuhr, hielt ich die Landkarte. Schaute nach Straßenschildern, plante die Route und las die Sehenswürdigkeiten vor, die uns näher oder ferner am Straßenrand erwarteten. Gemeinsam entschieden wir dann, was wir sehen wollten und der Zeit nach konnten.


Wir leben in einer emanzipierten Welt. Auch wenn noch nicht alle Probleme gelöst scheinen, ist es für uns selbstverständlich, dass eine weibliche Person einer männlichen Person in nichts nachsteht. Wir Frauen können, wollen und sollen alles, was Männer können, wollen und sollen.

Da erscheint die Forderung der Bibel, die Frau solle sich ihrem Mann unterordnen[1], verstaubt, chauvinistisch, sexistisch. Ich glaube, dass die Bibel Gottes Worte spricht und somit lebensbejahend, wertschätzend und weise ist. Ich möchte verstehen, warum die Unterordnung der Ehefrau sinnvoll ist.

Als Haupt der Familie trägt der Mann Verantwortung.[2] Das Unterordnen unter diese Entscheidungsgewalt erscheint dagegen sehr einfach. Sollen wir umziehen? Seine Entscheidung. Wer verdient den Unterhalt? Seine Entscheidung. Bekommen wir ein Kind? Seine Entscheidung. Wo geht es hin im Leben? Seine Entscheidung. Was geht es mich an? Ich "fahre" einfach mit.

Aber ist das wirklich gemeint, wenn die Bibel von Unterordnung spricht?

Das wäre etwa das Gleiche, wie wenn ich meinen Mann in Island nicht nur das Fahren, sondern auch die Routenplanung und die Wahl der Sehenswürdigkeiten überlassen hätte. Das wäre nicht nur unglaublich selbstbezogen und bequem gewesen, sondern auch fahrlässig und naiv.

Unterordnung meint nicht unbeteiligt sein, die Entscheidungen aus der Hand zu geben oder sich bevormunden zu lassen.

Vielmehr habe ich als Frau die Verantwortung, die Entscheidungen, die unser Eheleben betreffen, mitzugestalten. Ich darf mich mit meinem Mann beraten, argumentieren, verteidigen, überzeugen. Ich darf planen, Lebensziele festlegen, Wege dort hin gestalten und die Pläne meines Mannes unterstützen.


Eines nachts, wir wollten nur noch schnell einen Wasserfall am Rande des Hochlandes bestaunen, verfuhren wir uns. Wir verirrten uns nicht, aber wir fuhren an unserem Ziel vorbei, ohne es zu merken. Nach einigen Kilometern werden wir unsicher.

"Sollten wir nicht schon längst da sein?" frage ich. "Was sagt denn die Karte?" fragt mein Mann. Ich schaue in unseren Reiseführer und zucke ratlos mit den Schultern "Nach etwa 8 km von der Hauptstraße soll der Wasserfall auf der rechten Seite auftauchen. Auf der Straßenkarte sieht es auch so weit aus." Kurzes Schweigen, mein Mann fährt weiter gerade aus. "Ob wir schon dran vorbeigefahren sind?" frage ich. Er zuckt mit den Schultern. "Ich habe nichts gesehen..." sage ich. Er bestätigt mich "Ich auch nicht, aber wir sind definitiv schon mehr als 8 km gefahren!"

Ich schlage vor zu wenden. Er will noch einen Moment weiterfahren. Ich muss ihm diese Freiheit lassen.


Unser Wert als Person ist gleich. Wie im Jeep sitzen wir auf gleicher Höhe, mein Mann ist weder höher, noch niedriger, näher an der Frontscheibe, noch weiter weg. Wir sitzen in der gleichen Position, sehen auf das gleiche Ziel und steuern in gleicher Geschwindigkeit darauf zu.

Allein das Werkzeug in unserer Hand unterscheidet sich: Ich habe die Landkarte und den Reiseführer, er hat das Lenkrad und das Gaspedal. Wohin es geht, entscheiden wir gemeinsam. Es ist uns selbst überlassen, wer die Entscheidungen vorantreibt, wer nachgibt, wer sich durchsetzt.

Dabei spielen unsere unterschiedlichen Begabungen und Temperamente eine große Rolle. Während Frauen oft feinfühlig, empathisch und vorausschauend sind, sind Männer oft fokussiert, robust und fähig sich durchzusetzen. Wir entwickeln unterschiedliche Lösungsstrategien.


Ich werde unruhig. Die Nacht schreitet voran und wir müssen noch einen Schlafplatz suchen. Wie lange möchte er noch in die falsche Richtung fahren? "Lass uns bitte wenden", sage ich betont. Was wäre die Alternative? Ins Lenkrad greifen? Den Jeep gegen den Felsen setzen?

Schon bei der nächsten sicheren Wendemöglichkeit, dreht mein Mann um.


Oft meine ich die Lösungen für Probleme oder die nächsten Lebensschritte schon zu kennen. Sie durchsetzen zu wollen, ohne, dass mein Mann diese Schritte mitgehen kann oder möchte ist in etwa so gefährlich wie meinem Mann während der Fahrt ins Lenkrad zu greifen. Wir lassen uns gerne von unseren Emotionen leiten und werden, wenn wir etwas wirklich möchten, beizeiten ungeduldig.

Als ich bemerkte, dass wir zu weit gefahren sind, wollte ich so schnell wie möglich drehen. Das macht ja auch Sinn: Wir haben erkannt, dass wir in die falsche Richtung unterwegs sind, wir müssen drehen. Sofort.

Mein Mann behält oft einen kühlen Kopf. Er kann seine Emotionen zurückstellen und ausloten, welcher Weg der sicherste und nachhaltigste ist. Während ich oft die schnelle Lösung suche, sieht er Folgen meines möglichen Handelns voraus und lenkt dagegen.

Unterordnung heißt in erster Linie, seinen Partner zu respektieren.

Auch wenn wir unsere Männer manchmal langsam, stur oder selbstbezogen empfinden, sollten wir die Entscheidungen, die sie treffen, respektieren. Denn oft steckt mehr dahinter, als wir selbst ahnen.

Unterordnung heißt auch, darauf vertrauen, dass unser Mann es gut mit uns meint.

Es heißt, seine Meinung, sein Wesen und seine Entscheidungen wert zu schätzen. Den eigenen Stolz, die Besserwisserei und Rechthaberei abzulegen, um die eigenen Vorstellungen, Wünsche und Ziele einem gemeinsamen Ziel unterzuordnen.


  1. Ihr Frauen, ordnet euch euren Männern unter wie dem Herrn. Epheser 5,22 LUT17 ↩︎

  2. Denn der Mann ist das Haupt der Frau, wie auch Christus das Haupt der Gemeinde ist – er hat sie als seinen Leib gerettet. Epheser 5,23 LUT17 ↩︎