Jede Liebesbeziehung zwischen Mann und Frau muss beendet werden. Jede. Davon bin ich überzeugt. Nur wie sich das Ende gestaltet, ist individuell.

Das Ende meiner ersten Beziehung war lang und leise. Dann kurz und laut. Wie ein Gang durch ein dunkles Labyrinth auf dem Jahrmarkt. Ein langes Stolpern, Stoßen, Fallen, Aufraffen, Irren, Herantasten, das Ziel suchen. Und dann: Plötzlich im grellen Licht der Sonne stehen. So grell, dass es ein paar Augenblicke braucht, ehe man sich an das Licht, die zurückgewonnene Freiheit gewöhnt hat. Und im Spiegelbild der blankpolierten Säulen all die Blessuren erkennt, die man durch die lange Irrerei erlitten hat.

Drei Jahre habe ich gebraucht um meinem Empfinden den richtigen Rahmen und die richtigen Worte zu verleihen. Drei Jahre. 156 Wochen. 1095 Tage. 26280 Stunden.

Drei Jahre hat es gebraucht, um zu erkennen, dass er und ich, wir beide, niemals zusammengepasst haben und es auch niemals tun werden. Drei Jahre habe ich gebraucht, um das, was ich verstanden habe, in die Tat umzusetzen: Mich zu trennen.

Drei Jahre, bis die Worte "Okay, das war's. Für immer." über meine Lippen kamen. Drei Jahre, bis mir sein Bitten, Flehen, Drohen, Zupacken keine Angst mehr machen konnten.

Drei Jahre.


Das Ende meiner zweiten Beziehung war kurz, energiegeladen, im Regen und im Sonnenschein, einsam und doch so gemeinschaftlich wie nie und wurde mit einem goldenen, diamantbesetzten Ring besiegelt. "Ja, ich will. Für immer."


Beziehung ist kein Dauerzustand und auch nicht das Ziel.

Jede Beziehung muss einmal beendet werden. Entweder durch die Eheschließung, oder durch eine Trennung.

Beziehungen, die nicht guttun, müssen nicht fortgeführt werden. Sie sollten es auch nicht. Beziehungen, die uns mehr schaden, als aufblühen lassen, sind es nicht wert umkämpft und aufrechterhalten zu werden.

Denn eine Beziehung ist keine Ehe. Ihr fehlt das verbindliche "für immer", ihr fehlt das Versprechen, ihr fehlt das Ja, für alle Zeit. Beziehung ist ein Übungsfeld, dass unsere moderne Gesellschaft eingerichtet hat, um den Partner, den man selbst wählen darf, muss und kann, zu prüfen, ehe man sich ewig an ihn bindet.

Ein Übungsfeld, in welchem wir uns respektvoll begegnen, austauschen und befühlen. In dem wir erkunden, welche Interessen wir teilen, welche Vorstellungen uns prägen und welche Zukunft wir uns erträumen.


Natürlich sollten wir nicht gleich "gehen", wenn der Heißgeliebte mit einer anderen Frau spricht. Auch nicht, wenn es zum ersten Mal zu einer Uneinigkeit kommt, wie: was man Essen möchte, was das nächste Reiseziel ist, ob man die potentiellen Schwiegereltern einlädt oder nicht, wie der Name des Haustieres sein sollte und warum schon wieder dieses oder jenes Problem aufgetreten ist.

Beziehung ist immer ein Ringen zwischen Dulden und Schleifen, Dienen und Fordern, Stehen lassen und Prägen, Akzeptieren und daran Arbeiten. Ein Prozess, der nur gelingt, wenn beide Seiten mitwirken. Ein Prozess, der nur gelingt, wenn Grenzen gesetzt und eingehalten werden.

Es gibt zahlreiche Faktoren, die eine Beziehung belasten. Solche, an denen wir wachsen können und solche, an denen wir zerbrechen werden.

An unseren kleinen Macken, eingeschlichenen Bequemlichkeiten und Verhaltensmustern können wir arbeiten. Wenn wir uns dafür entscheiden. Nicht aber, wenn wir das für unseren Partner entscheiden.

Gerade wir Frauen müssen in diesem Bereich ehrlich werden: Akzeptieren wir unseren Freund so, wie er ist, oder gibt es da die eine oder andere Eigenschaft oder Macke, von der wir uns heimlich vornehmen, sie ihm noch auszutreiben?

Kämpfe, die in einer Beziehung ausgefochten wurden, an denen wir gewachsen sind, kommen uns zu Gute. Kämpfe, die in einer Beziehung ausgetragen werden, ohne jemals gewonnen zu werden, sollten uns warnen: Diese Beziehung sollte nicht fortgeführt werden. Und schon gar nicht festgemacht.

Misstrauen. Süchte. Gewalt. Verständnislosigkeit. Desinteresse. Grenzüberschreitung. Trägheit. Übertriebene Eifersucht. Manipulation. Drohungen. Beleidigungen. Ignoranz. Unmoral. Entgegengesetzte Weltanschauung. Hartherzigkeit. Abwertung. Schadenfreude. Verbitterung.

Eine Beziehung, die diese Kämpfe zu ertragen versucht, wird nicht irgendwann endlich gut.

Eine Sucht löst sich nicht in Erkenntnis auf, eine Drohung in einer Entschuldigung und eine Ohrfeige in eine Rückenmassage. Eine Beleidigung wird nicht nach etwas Zeit zum Kompliment; und Desinteresse, Trägheit und Ignoranz kann nicht mit gutem Zureden, Locken und Ermutigen überwunden werden.

Süchte, Gewaltbereitschaft, Aggressionen, Manipulation und Grenzüberschreitungen sind keine harmlosen Vorkommnisse. Eine Tat ist eine Tat zu viel. Oft bereuen unsere Partner, was sie getan oder gesagt haben. Herzzerreißende Entschuldigungen und Besserungsgelöbnisse sind die Folge. Doch ihr Verhalten ist fast immer tiefgehender motiviert, kein bloßer, vereinzelter Gefühlsausbruch. Diese Menschen brauchen Klarheit, Offenheit; Menschen, die ihnen freundschaftlich zur Seite stehen. Manchmal auch professionelle Hilfe.

Wenn wir in einer Liebesbeziehung mit so einem Menschen stehen, sind wir nicht klar und offen. Wir können den Menschen nicht kameradschaftlich zur Seite stehen, denn wir sind durch unser eigenes Gefühlschaos zu sehr eingenommen. Wir können nicht helfen. Wir sollen nicht helfen. Nicht in einer Liebesbeziehung. Das Beste was wir tun können, ist auf Hilfe zu verweisen, Hilfe zu organisieren und uns aus dieser Beziehung herauszulösen.

Desinteresse, Ignoranz und Hartherzigkeit überwinden wir nicht, indem wir uns noch interessanter machen. Noch teurere Klamotten, noch eine Lage Make-up mehr, noch ein Kilo weniger. Noch ein Comic lesen, das ihm gefällt, noch ein Spiel zocken, das er gern hat. Noch ein Film ansehen, den wir eigentlich nicht ertragen.

Trägheit wird nicht überwunden, in dem wir unseren Partner zu noch einer Veranstaltung zerren, noch einen Tanzkurs buchen, noch eine Reise planen, ihm noch eine lange Rede halten.

Misstrauen und Eifersucht können wir nicht mit noch größerer Transparenz besiegen. Noch weniger Zeit allein, noch weniger Gespräche mit anderen, noch weniger Kontakte, noch weniger Ausflüge, noch weniger eigene Interessen.

Beleidigungen, Abwertungen und Schadenfreude werden durch ein halb unwissendes "Er meint es nicht so" nicht ungeschehen gemacht.

Nichts von alle dem, wird sich ändern, solange derjenige, der diese Kämpfe auslöst, dieses nicht erkennt und bereit dazu ist, sie anzugehen und zu ändern. Und das Wollen, Beteuern und Beschwören ist nicht das Tun. "Ich werde es nie wieder machen, ich verspreche es!" kann man genau einmal gelten lassen. Beim zweiten Mal sollte man gehen.

"Besser ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende", hat meine Mutter immer gesagt. Und damit Recht behalten. Lieber einmal heftig aufbäumen, den Menschen, mit dem man so viel Zeit verbracht hat, fallen lassen und neu anfangen, als sich gegen das eigene Gefühl, gegen die Vernunft, noch näher an den Menschen binden, der einem nicht gut tut und ein Leben lang hin und hergerissen zu sein zwischen Hoffnung auf Veränderung und Aushalten von Unerträglichkeiten.


Unsere Beziehungen sollten geprägt sein von Wertschätzung, Akzeptanz, Motivation, Einfühlungsvermögen, Bewahrung von Grenzen. Und vor allem: Von einem respektvollen und liebevollem Umgang miteinander.


Ja, eine Trennung ist immer mit Verletzung und Schmerz verbunden. Aber das ist das schöne an unserer Zeit: Wir haben ein anerkanntes Übungsfeld, ehe wir uns verpflichten für immer bei einer Person zu bleiben. Und in diesem Übungsfeld dürfen wir feststellen: es passt nicht. Denn eine Beziehung ist keine Ehe. Und eine Beziehung darf beendet werden. Also:

Kein schlechtes Gewissen, keine falsche Hoffnung, kein Helfer-Syndrom, keine Schuldgefühle, keine Angst.

Beende deine ungesunde Beziehung.

Du bist es wert!