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Seid allezeit fröhlich...

Die Innenseite meines Eherings ziert die Handschrift meines Mannes. In kleinen Buchstaben steht dort das Datum unserer Eheschließung, der Namen meines Mannes und der Bibelvers, unter dessen Motto wir unsere Ehe stellten. In umgekehrter Reihung. Unser Trauvers steht im 1. Thessalonicher Kapitel 5, die Verse 16-18. Seid allezeit fröhlich, betet ohne Unterlass, seid dankbar in allen Dingen.

Fröhlich sollte unsere Ehe sein. Doch die letzten Wochen waren für mich das Gegenteil: Freudlos. In meinem Herzen sah es gar nicht gut aus. Da war keine Freude. Fröhlich, wie könnte ich das sein, in Anbetracht meiner Situation? Fröhlich, in dem Wissen, dass mein Kind gestorben ist, ehe ich es richtig kennenlernen konnte? Fröhlich?


Was ist mit all' den anderen Leiden, die uns im Laufe des Lebens widerfahren können? Wir haben unseren Job verloren? Lächeln! Eine nahestehende Person ist schwer erkrankt? Wir bleiben gutgelaunt! Ein Streit belastet unseren Alltag? Wir sind allezeit fröhlich! Mobbing, Verlust, Missverständnisse, Zerbruch, Lügen belasten uns und unser Umfeld. Ein ehrliches, von Herzen kommendes Lächeln? Das scheint unmöglich!

Auch wenn diese Dinge sehr persönlich sind und manch einer jetzt denken mag, er wäre - Gott sei Dank - nicht davon betroffen, so fallen mir doch einige Dinge ein, die in dieser Welt mächtig ins Ungleichgewicht geraten sind:

Auf unserer Erde verhungern ganze Völker? Wir sind happy! Der Klimawandel zerstört unseren Planeten? Nichts trübt unsere Laune! Krieg und Flüchtlingstote wo man nur hinsieht? Ach, wir sind glücklich! Leid, Zerstörung, Tod, Missbrauch, Respektlosigkeit, Verdrehung der Wahrheit, Verleumdung. Es gibt viele Worte, die versuchen, das Böse in unserer Welt abzubilden.

Wenn wir uns diese schlimmen Dinge vor Augen rufen, mag die Aufforderung, allezeit fröhlich zu sein, zynisch wirken. Gute Miene zum bösen Spiel? Ist das wirklich gemeint? Sollen wir die prekären Probleme unserer Zeit, die schmerzhaften Wunden unserer Seele, wirklich mit einem lapidaren Lächeln beiseite wischen?


Ich glaube, dass dem unsäglichen, dem unfassbaren und dem maßlosen Leid etwas gegenüber gestellt ist, dass unsere Fröhlichkeit allezeit verdient und mit Leichtigkeit hervorlockt. Eine Fröhlichkeit, die selbst im Leid angemessen, mehr noch: rettend und trostspendend ist.

Kennt ihr dieses Gefühl, wenn ihr das Ende einer Geschichte bereits kennt und am traurigsten Punkt des Geschehens denkt: Halte durch, am Ende wird alles gut!? Nun, an diesem Punkt sind wir allezeit. Denn Jesus hat alles Böse dieser Welt bereits besiegt: In der Welt habt ihr Angst; aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden. Johannes 16,33b.

Ich glaube:

Fröhlich dürfen wir sein, weil unser Leid endlich ist. Denn Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen. Offenbarung 21,4

Fröhlich dürfen wir sein, weil Gott zu jeder Zeit und in jedem Umstand die Kontrolle über das Geschehen hat. Die Wege eines Jeden liegen klar vor den Augen des HERRN, und er achtet auf alle seine Pfade! Sprüche 5,21

Fröhlich dürfen wir sein, weil wir dem Schlechten dieser Welt nicht ohnmächtig ausgeliefert sind, sondern einen Ratgeber im Alltag haben. Das weise Wort Gottes, das voller trostspendender Worte, geheimnisvollen Weisungen und tiefgreifenden Prinzipien steckt, das uns ein Leben in Fülle ermöglicht. Denn das Gesetz des HERRN ist vollkommen, es erquickt die Seele; das Zeugnis des HERRN ist zuverlässig, es macht den Unverständigen weise. Psalm 19,8

Fröhlich dürfen wir sein, weil wir einen Versorger haben. Um nichts brauchen wir uns Sorgen. Denn wir wissen: So Gott will, er wird es uns geben. Und was wir brauchen, werden wir erlangen. Denn Der HERR ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln. Psalm 23,1.

Fröhlich dürfen wir sein, weil wir zu jeder Zeit umkehren können. Egal wie weit wir uns in den Sumpf menschlichen Elends hinabgearbeitet haben. Die Hand des Retters ist stark. Solange wir atmen, können wir umkehren. Denn der HERR, euer Gott, ist gnädig und barmherzig und wird sein Angesicht nicht von euch wenden, wenn ihr euch zu ihm bekehrt. 2 Chronik 30,9b

Fröhlich dürfen wir sein, weil wir Vergebung und Versöhnung erfahren dürfen. Und er selbst ist die Versöhnung für unsre Sünden, nicht allein aber für die unseren, sondern auch für die der ganzen Welt. 1 Johannes 2,2

Fröhlich dürfen wir sein, weil wir einen Tröster haben. Der mit einem Seufzen, oh wie herzzerreißend muss dies sein!, zu Gott spricht und für uns einsteht. Der Tröster, der Heilige Geist, den mein Vater senden wird in meinem Namen, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe. Johannes 14,26

Fröhlich sind wir, weil wir Hoffnung haben. Fröhlich sind wir, weil wir wissen, dass nicht wir es sind, die diese Welt im Alleingang retten müssen. Fröhlich, weil wir jemanden an unserer Seite haben, der stärker ist. Denn mit dir kann ich Kriegsvolk zerschlagen und mit meinem Gott über Mauern springen. Psalm 18,30. Mauern, gleich welcher Natur: zeitlich, räumlich, materiell, geistlich - mein Gott spricht mächtige Worte und kämpft mit mir!


Nein, wir sind nicht fröhlich, weil uns und anderen Leid widerfährt. Mehr noch: wir sind erschüttert. Und dieser Schmerz darf empfunden werden. Denn "Seid allezeit fröhlich..." fordert uns nicht zur Verleugnung des Schlechten, nicht zu Zynismus, Sarkasmus und Ignoranz auf. Sondern zu wahrer und aufrichtiger Freude am HERRN.

Neben klagen und weinen steht lachen und tanzen. Denn in allem sind wir bedrängt, aber nicht erdrückt; keinen Ausweg sehend, aber nicht ohne Ausweg, verfolgt, aber nicht verlassen; niedergeworfen, aber nicht vernichtet; 2. Korinther 4,8-9 Das Gute hat gesiegt, auch wenn wir diesen Erfolg noch nicht immer spüren und sehen können, so dürfen wir doch fröhlich sein, in der Gewissheit, dass dieses gute Ende kommen wird.

Denn Gott hat zu jeder Zeit die Kontrolle, zu jeder Zeit weiß er, dass er zum Ziel kommen wird. Er wird zum Ziel kommen. Und er kennt dieses Ziel. Und er wird auch uns zum Ziel führen! "Er wird seine Herrschaft weit ausdehnen und dauerhaften Frieden bringen. Auf dem Thron Davids wird er regieren und sein Reich auf Recht und Gerechtigkeit gründen, jetzt und für alle Zeit. Der HERR, der allmächtige Gott, wird dies eintreffen lassen, leidenschaftlich verfolgt er sein Ziel. Jesaja 9,6

Fröhlich, allezeit. Denn die Freude am HERRN ist eure Stärke! Nehemia 8,10b

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Kostbar

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Weiblich, Achtundzwanzig, Ehefrau, Mutter, Freundin. Literaturwissenschaftlerin mit einem großen Herzen für (Gottes) Worte und junge Menschen, Familien und andere Kostbarkeiten.

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